ZUM TAGE

Die Lust am Dabeisein

von Redaktion

Fußballfans? Immer verrückter!

Vielleicht war die WM zu lang. Oder der Sommer zu heiß. Oder Fußballfans auf der ganzen Welt haben zu viel Trump- und Infantino-Superlative abbekommen. Anders ist kaum zu erklären, was sich am Wochenende zwischen Giesing, Gelsenkirchen und einer portugiesischen Ferieninsel abgespielt hat.

Auf Schalke pilgerten nach Vereinsangaben 100.000 Menschen zum „Schalke-Tach“. Nicht zum Champions-League-Finale, nicht einmal zu einem Bundesligaspiel. Zur Saisoneröffnung. Hinterher verlor der Aufsteiger ein Testspiel gegen Atalanta Bergamo 0:3. Kleiner Schönheitsfehler. Die Party war da längst gefeiert.

Dasselbe Phänomen, ein paar Nummern kleiner, in München-Giesing. 15.000 Zuschauer drängten sich ins ausverkaufte Grünwalder Stadion, um den TSV 1860 gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg zu sehen. Regionalliga Bayern. Vierte Liga. Augsburgs Trainer Markus Feulner, der als Spieler Bayern, Dortmund und Nürnberg erlebt hat, traute seinen Augen kaum. „Das ist eigentlich 2. Bundesliga“, schwärmte er über die Kulisse. Seine Mannschaft verdarb den Gastgebern zwar den erhofften ersten Heimsieg. Die Löwen-Fans feierten trotzdem.

Schließlich Madeira. Dort schaffte Cristiano Ronaldo etwas, wofür selbst Schalke und Sechzig ein Stadion brauchen: Mehr als 2000 Menschen sind vor einer Kirche in Funchal aufgetaucht, weil das Gerücht kursierte, der Superstar werde dort seine Georgina heiraten. Fotografen kamen, Fans kamen, ein Rolls-Royce fuhr vor, irgendwann kam sogar eine Braut. Nur Ronaldo und Georgina kamen nicht.

Es muss kein Ball mehr rollen, damit Fußballfans ausflippen. Stars teilen auf Instagram ihr Privatleben, Ronaldo kommentiert mit fünf lachenden Emojis – und die Follower fühlen sich mittendrin. Dabei sein ist alles. Notfalls bei einer Saisoneröffnung, in der Regionalliga Bayern – oder bei einer Hochzeit, die keine ist.

Sommerloch? Gab es heuer nicht. Und die XXL-WM in Übersee scheint die Fans nicht ermüdet, sondern eher angestachelt zu haben. Viele sind schon wieder in Hochform. Manche sogar, bevor überhaupt angepfiffen wird.

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