Dominator im Freiwasser

von Redaktion

Zwei Jahre nach dem Olympiadebakel gewinnt Wellbrock drei EM-Goldmedaillen

Auch im Team überragend: Florian Wellbrock (r.) gewann mit Oliver Klemet, Julia Ackermann und Isabel Gose Gold. © AFP

Paris – Florian Wellbrock kletterte ein letztes Mal aus der Seine und winkte seine Goldkollegen herbei. Mit der deutschen Flagge und seinem Staffelteam posierte der Freiwasser-Dominator wieder für die Fotografen. Dann ging es nach der dritten Siegerehrung in fünf Tagen ganz oben auf dem Podest zügig zum Flughafen.

„Drei Titel hier hätte ich mir nicht erträumt“, sagte der 28-Jährige nach dem abschließenden Triumph als Schlussschwimmer über 4×1500 m, nachdem EM-Neuling Julia Ackermann, Knockout-Sprint-Siegerin Isabel Gose und Bronze-Medaillengewinner Oliver Klemet ihn mit einer Führung auf die letzte Runde geschickt hatten.

„Was die drei anderen gut gemacht haben, möchte ich hinten natürlich nicht versauen“, sagte Wellbrock, der nach einem Olympiasieg, zehn Weltmeistertiteln und nun insgesamt vier EM-Goldmedaillen weiß, wie er mit Druck umgeht. „Das ist mein Job, dafür werde ich bezahlt.“

Den Vorsprung, den der Olympiazweite Klemet herausgeschwommen hatte, büßte Wellbrock zwar wieder ein, im Schlussspurt allerdings war er wie schon bei seinen Siegen über zehn und fünf Kilometer nicht zu halten. Dass es nicht zu einem erneuten Vierfach-Triumph wie vor einem Jahr bei der WM in Singapur reichte, lag am wilden Finale im Knockout-Sprint, als Wellbrock, Klemet und Senkrechtstarter Johannes Liebmann nach überlegenen Vorläufen und Halbfinals im Kampf um die Medaillen im Gewühl stecken blieben.

„Das hat uns allen noch in den Knochen gesteckt“, gab Wellbrock zu. Am Samstag lief alles nach Plan: Ackermann, vor zwei Wochen Doppel-Europameisterin bei den Juniorinnen, hielt in der ersten Runde mit den Mitfavoritinnen mit – und war am Ende „super happy“ über ihre „erste Medaille in der offenen Klasse“. Gose, die tags zuvor Gold im K.o.-Sprint gewonnen hatte, schwamm zwar keinen Vorsprung heraus, hielt aber die besten Schwimmerinnen in Schach, ehe Klemet laut Bundestrainer Bernd Berkhahn zum „Knackpunkt“ wurde und Wellbrock ein Rennen von der Spitze weg ermöglichte. Der machte es noch einmal spannend, „damit wir hier alle fast eine Herzattacke bekommen“, meinte Berkhahn lachend.

Für Gose und Klemet geht es in der nächsten Woche mit Medaillenhoffnungen im Centre Aquatique Olympique am Stade de France weiter. „Erstmal einen guten Einstieg finden und gucken, was drin ist“, will Gose, die als Olympiadritte über 1500 m Freistil nach langwierigen Schulterproblemen mit Prognosen im Becken noch vorsichtig ist – aber definitiv im Freiwasser weitermachen will, „vielleicht kommt die eine oder andere Strecke noch dazu.“ Und Vielstarter Klemet richtet nach vier Rennen in der Seine mit zwei Medaillen den „Hauptfokus auf die 400 und 1500 m Freistil“ gegen Ende der Woche.

Schon am Samstag verließ Wellbrock Paris, wo er vor zwei Jahren ein Olympiadebakel erlebt hatte, mit „positiven Emotionen – es galt ja, ein bisschen was gutzumachen“. Für den Magdeburger ging es weiter nach Los Angeles, wo er schon einmal die Strecke für die Olympischen Spiele 2028 testet. Dazwischen schwimmt er bei den Pan Pacifics in Long Beach „noch einmal zehn Kilometer, dann geht‘s in den wohlverdienten Urlaub“. SID

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