Bei der EM startet Owen Ansah. © Hoppe/dpa
Birmingham – 100-Meter-Rekordler Owen Ansah ist bei den am Montag beginnenden Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham einer der deutschen Hoffnungsträger. Doch für den 25-Jährigen geht es in den nächsten Tagen nicht nur um Edelmetall, sondern abseits der Laufbahn auch um seine sportliche Zukunft. Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) wirft ihm vor, am 9. Juli eine Dopingkontrolle nicht ordnungsgemäß ermöglicht beziehungsweise keine Probe abgegeben zu haben, obwohl ihn ein Kontrolleur darum gebeten hatte. Die Nada schlug am Freitag eine Sperre von vier Jahren vor. Ansahs Karriere steht auf dem Spiel. Doch entschieden ist der Fall noch nicht.
Wie geht es jetzt weiter?
Für Ansah hat eine Frist von 20 Tagen begonnen, in der er die Möglichkeit hat, die Feststellungen der Nada zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen. Akzeptiert Ansah die Nada-Entscheidung, reduziert sich die Sperre auf drei Jahre. Doch Ansahs Anwalt ließ bereits mitteilen, dass der Sportler den Nada-Vorschlag nicht akzeptieren werde. Damit wird es zum Disziplinarverfahren kommen. Der Fall könnte sogar vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas landen. Erst einmal will sich Ansah aber auf die EM konzentrieren.
Was bedeutet die Nada-Entscheidung für die EM?
Ungeachtet des Dopingtest-Wirbels hält der Deutsche Leichtathletik-Verband an der Nominierung Ansahs für die EM fest. Er soll über 100 und 200 Meter im Einzel starten. An den Staffel-Wettbewerben wird er aber nicht teilnehmen – auch weil bei einer Sperre Ansahs eine anvisierte Medaille aberkannt werden würde.
Wie schätzt ein Doping-Experte die Chancen Ansahs ein?
Doping-Experte Fritz Sörgel schätzt die Erfolgschancen Ansahs, ohne Sperre davonzukommen, gering ein. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Chancen nicht sehr hoch einschätze, dass er da wirklich gut dabei wegkommt“, sagte Sörgel und fügte hinzu: „Dass er ohne Strafe aus dem Verfahren rausgeht, das halte ich für ausgeschlossen.“ Eine Sperre von vier Jahren sei aber „relativ hart“, betonte Sörgel.
Warum ist das Verfahren so außergewöhnlich?
Zu der unangekündigten Dopingkontrolle kam es, als sich Ansah nach eigenen Angaben gerade auf den Weg zum Diamond-League-Meeting nach Monaco machen wollte. Dort sei er als Nachrücker kurzfristig ins Starterfeld gerutscht. Er sei spät dran und kurz zuvor schon auf Toilette gewesen, hatte Ansah angegeben. Er habe dem Kontrolleur vorgeschlagen, zum Flughafen mitzufahren, um die Probe dort abzugeben. Rein faktisch liegt kein positiver Dopingtest vor.