„Der TSV ist wieder da!“: Sportlich war das verspielte 2:0 gegen den FC Augsburg II eine Enttäuschung – gefeiert wurden die Neustart-Löwen trotzdem. © IMAGO / Frank Hoermann
München – Zweimal 2:2, zwei Punkte – und viel Zeit, über den verpassten ersten Sieg nachzudenken, bleibt beim TSV 1860 nicht. Nach dem Holperstart in die Regionalliga geht es für die neu zusammengestellte Mannschaft Schlag auf Schlag. Wendelstein, Memmingen, Aubstadt, Kiel: Vier Spiele in kurzer Folge, drei Wettbewerbe – und reichlich Gelegenheit, den großen Vertrauensvorschuss der Fans sportlich zurückzuzahlen.
Das 2:2 gegen Augsburg II legte offen, wie weit die Löwen schon sind – und was noch fehlt. Nach einer starken ersten Halbzeit und einer 2:0-Führung verloren die Giesinger nach der Pause zunehmend den Faden. „Es sind verlorene Punkte“, stellte Rückkehrer Felix Weber nüchtern fest. Gleichzeitig warb der Abwehrroutinier um Geduld: „Das ist eine komplett neue Mannschaft, das ist nicht so leicht.“
Auch Trainer Alper Kayabunar vermied Schönfärberei. „Wir sind richtig gut ins Spiel gekommen, haben 2:0 geführt und verpasst, mit dem 3:0 das Spiel zu killen.“ Besonders ärgerte ihn, dass sein Team nach der Pause zu schnell den Ball nach vorne schlug, statt weiter Fußball zu spielen. „Das stört mich!“ Michael Eberwein, der wie schon in Schweinfurt den ersten Löwen-Treffer erzielt hatte, sah es ähnlich: „Wir müssen uns ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht haben.“
Doch ausgerechnet jetzt bleibt Kayabunar kaum Trainingszeit, um an den Defiziten zu arbeiten. Schon am Dienstag wartet im Totopokal Wendelstein, am Freitag geht es in der Regionalliga zu Spitzenreiter Memmingen, vier Tage später nach Aubstadt. Am 22. August folgt mit dem DFB-Pokalspiel gegen Holstein Kiel der nächste Höhepunkt. Die neue Mannschaft muss sich also im laufenden Betrieb finden. Was Kayabunar nicht auf dem Trainingsplatz einstudieren kann, muss sein Team im Ernstfall lernen. Der Terminkalender wird damit zur ersten echten Belastungsprobe des Neuaufbaus.
Immerhin kann die Mannschaft dabei auf einen Rückhalt bauen, der für einen Viertligisten außergewöhnlich ist. Geschäftsführer Manfred Paula staunte schon während des Augsburg-Spiels: „Es ist Wahnsinn, was hier für Stimmung im Stadion ist. Das spüren auch die Spieler.“ Kayabunar hätte diese Unterstützung gerne mit drei Punkten belohnt: „Wir wollten heute unbedingt den Fans einen Sieg schenken.“
Gelungen ist das nicht. Doch für eine Mannschaft, die erst seit wenigen Wochen komplett ist, sind zwei Punkte aus zwei Spielen kein Grund für Alarmstimmung. Entscheidend wird sein, ob aus guten Ansätzen möglichst schnell Konstanz wird. Denn so groß die Geduld rund um 1860 momentan ist: Auf Dauer werden auch die neuen Löwen an Ergebnissen gemessen. Gelegenheiten, den ersten Sieg einzufahren, gibt es jetzt genug. Und Zeit zum Grübeln nicht. Die Party geht weiter – erst mal.ULI KELLNER