Der Torriecher ist zurück: Niederlechner traf zum 2:0 gegen Augsburg II – und auch schon zuvor im Totopokal. © IMAGO
München – Florian Niederlechner ist wieder da. Zumindest vor dem gegnerischen Tor. Keine Vorbereitung, Trainingsrückstand – und trotzdem schon zwei Pflichtspieltreffer für den TSV 1860. Erst erzielte der 35-Jährige im Totopokal in Berglern das 1:0, nun traf er beim 2:2 gegen den FC Augsburg II per Kopf zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung.
„Ein Tor tut einem Stürmer immer gut“, sagte Niederlechner anschließend im BR – und räumte ein, körperlich selbst noch Nachholbedarf zu haben: „Ich habe gar keine Vorbereitung gehabt. Ich muss jetzt auch erst fit werden. Heute war es schon viel, viel besser. Ich hoffe, es geht so weiter.“
Das gilt auch für die neuen Löwen insgesamt. In der ersten Halbzeit gegen Augsburg deutete 1860 an, welches Potenzial in der radikal umgebauten Mannschaft steckt. „Das war ein Top-Heimspiel. Wir müssen 3:0, 4:0 in Führung gehen. Der Gegner war mausetot“, sagte Niederlechner. Dass Augsburg unmittelbar vor der Pause verkürzte, ärgerte ihn: Dem Treffer sei eine „komplette Fehlentscheidung vom Schiedsrichter“ vorausgegangen.
Nach der Pause fehlten zunehmend die Kräfte. Eine Entwicklung, die Niederlechner angesichts des Neustarts nicht überraschte. „Man weiß von Anfang an, dass die ersten paar Wochen einfach noch ein bisschen dauern. Das haben wir in der zweiten Halbzeit gesehen.“ Vielen seiner Mitspieler fehlt schließlich nicht nur gemeinsame Trainingszeit, sondern auch Erfahrung auf diesem Niveau. „Das ist eine sehr junge Mannschaft. Eine Vielzahl der Spieler hat letztes Jahr in der Bayernliga gespielt.“
Genau hier bekommt Niederlechner eine besondere Rolle. Vor einem Jahr war der frühere Bundesligastürmer Teil eines prominent besetzten Teams, das von der 2. Liga träumte. Nach Zwangsabstieg und Neuaufbau ist er nun einer der wenigen Routiniers zwischen vielen Talenten – Torjäger, Antreiber und Leitlöwe zugleich.
Und Niederlechner gefällt, was er sieht. „Die Jungs lernen. Das sind gute Jungs“, sagt er. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das immer besser wird.“ Vor allem die dominant geführte Anfangsphase gegen Augsburg soll keine Eintagsfliege bleiben. Niederlechner macht den Fans sogar ein kleines Versprechen: „Da können sie sich drauf einstellen. Das werden sie öfter sehen.“
Ohnehin ist der Routinier von der Sympathiewelle rund um die e.V.-Löwen angetan. „Brutal“, nennt er den Rückhalt. Und die 15.000 Zuschauer beim ersten Heimauftritt in der Regionalliga? „Was heute los war, das ist einfach Erste Bundesliga. Das ist unfassbar.“ Gerade in der starken Anfangsphase habe das Publikum die Mannschaft „richtig getragen“.
Nur mit dem erhofften ersten Regionalliga-Sieg konnten sich die Löwen noch nicht bedanken. Niederlechner ist überzeugt, dass auch der bald kommt: „Wenn wir so weitermachen, werden wir noch einige Siege miteinander feiern.“
Die nächste Gelegenheit bietet sich schon an diesem Dienstag im Totopokal: Zweitrundenspiel beim Nordost-Landesligisten FC Wendelstein (18 Uhr, keine Liveübertragung). Bis Montag hatte sich Alper Kayabunar nicht festgelegt, ob er ein A-Team schicken wird, Vielleicht ist Niederlechner bis dahin selbst wieder ein kleines Stück weiter.ULI KELLNER