Sarah Sjöström will wieder jubeln. © Kappeler/dpa
Paris – Knapp ein Jahr nach seiner dramatischen Geburt tapst der kleine Adrian durch ein Pariser Hotelzimmer. Der Sohn der schwedischen Schwimm-Ikone Sarah Sjöström ist live dabei, wenn seine Mama in der französischen Hauptstadt nach kurzer Baby-Pause auf die große Sport-Bühne zurückkehrt. Auch angesichts der Ereignisse von Stockholm im vergangenen August ist der EM-Start Sjöströms sehr bemerkenswert. Die dreimalige Olympiasiegerin hatte damals Todesangst.
Mit starken Wehenschmerzen und Blutungen sollte die hochschwangere Sjöström im Krankenwagen zur Entbindung in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Das war jedoch voll. „Die Fahrt ins Krankenhaus kam mir endlos vor, obwohl wir mit Vollgas und Blaulicht unterwegs waren“, schilderte die 32-Jährige. „Die Schmerzen waren unbeschreiblich, und es war viel zu spät für eine Schmerzlinderung, wie ich sie eigentlich geplant hatte. Ich habe wirklich geglaubt, dass ich das nicht überleben würde.“
Bis ins Krankenhaus Södersjukhuset in der schwedischen Hauptstadt schaffte sie es nicht. „Als wir ankamen, wurden die Türen des Krankenwagens vom Entbindungsteam aufgerissen, und unser Baby war bereits auf dem Weg nach draußen“, schrieb Sjöström bei Instagram. „Er kam dort inmitten des Chaos vor dem Eingang des Krankenhauses im Krankenwagen zur Welt.“ Für Sjöström waren die Geschehnisse „traumatisch und zauberhaft zugleich“.
Ihr Körper und ihre Seele bräuchten Zeit zu heilen, schrieb sie damals. Jetzt ist die Freistil-Sprinterin wieder da. Im Centre Aquatique Olympique kann Sjöström die deutsche Schwimm-Legende Franziska van Almsick als Rekordeuropameisterin ablösen. 18-mal holte die Berlinerin EM-Gold. Sjöström steht bei 17 Titeln.
Wie gut hat sich Sjöström tatsächlich erholt? Wie fit ist die 14-malige Weltmeisterin schon wieder? Ihre ersten Ergebnisse aus dem Frühjahr und Sommer überraschten Sjöström nach eigenen Angaben selbst. Über 50 Meter Freistil schlug sie Ende Juni in Rom nach 23,86 Sekunden an. Keine Europäerin war in diesem Jahr bisher besser.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell zurückkomme. Aber mein Körper hat super auf das Training reagiert“, sagte sie in Paris. Das Reisen mit ihrem Mann Johan de Jong Skierus und Adrian genieße sie. „Es ist ein relativ einfaches Alter zum Reisen“, sagte sie über ihren Sohn, lachte und ergänzte: „Man muss nur mehr Sachen mitnehmen.“ Ausschließlich mit Handgepäck reisen, das gehe jetzt nicht mehr.DPA