„Besondere Tore zelebriere ich“

von Redaktion

EHC-München-Rückkehrer Dominik Kahun über Kunst, Erfahrung und die Rolle als Vorbild

Es erinnert an dieses weltberühmte Gemälde: „Der Schrei“ des Norwegers Edward Munch (1863 – 1944). © Jason Szenes/dpa

Dominik Kahun, wenn er ein Tor geschossen hat – an was erinnert das nur? © Tobias Hase/dpa

München – Mit Dominik Kahun verbindet der EHC Red Bull München nur gute Erinnerungen. 2014 kam er aus der kanadischen Juniorenliga, neben Leon Draisaitl galt er als das deutsche Toptalent. 2016, 17 und 18 feierte er mit dem EHC drei Meisterschaften am Stück, in Pyeongchang war er Mitglied des olympischen Silber-Teams. Er wechselte in die NHL, lief auf für die Chicago Blackhawks, Pittsburgh Penguins, Buffalo Sabres und Edmonton Oilers. Nach drei Jahren war aber Schluss in der besten Liga der Welt, von 2021 an spielte Kahun in der Schweiz, zunächst für den SC Bern, zuletzt den HC Lausanne. Kahun, mittlerweile 31, hat neun Weltmeisterschaften und drei Olympia-Turniere bestritten. Nun ist der Stürmer zurück in München.

Dominik, ist Ihnen bewusst, dass Sie mit Ihrem Torjubel hohe Kunst zitieren? Wir haben Ihnen zwei Bilder mitgebracht: Edward Munch, „Der Schrei“, Wert über 90 Millionen Euro, und Dominik Kahun, „Der Schrei beim Torjubel“.

(lacht) Das Foto von mir kenne ich.

Es ist aus den Playoffs 2018, zum Ende Ihrer ersten Zeit in München. Ein normaler oder außergewöhnlicher Jubel – und wie oft werden wir ihn in der Saison 2026/27 sehen?

Ich habe den Mund nicht immer so weit auf beim Tor. Aber wenn es wichtige Tore sind, zelebriere ich sie. Klar, ich werde alles tun, um der Mannschaft zu helfen, ob es mit Toren oder anderen Sachen ist, werden wir sehen.

Acht Jahre waren Sie weg. Eine Kurzzusammenfassung?

Es war eine unglaubliche Reise, meine Träume und Ziele habe ich erfüllen, großartige Sachen erleben dürfen. Es fühlt sich aber nicht an, als wären es acht Jahre gewesen, sondern nur zwei oder drei. Deswegen fühlt es sich in München für mich sehr heimisch an. Die Arena ist neu für mich, ich habe ja noch in der alten gespielt. Aber viele Gesichter kenne ich von früher.

Bleiben wir noch einen Moment beim großen Eishockey drüben in der NHL. Sie haben in Ihren Clubs mit Patrick Kane, Jonathan Toews, Sidney Crosby, Jewgenij Malkin, Jack Eichel, Connor McDavid und Leon Draisaitl gespielt. Wer von den Superstars hat Sie am meisten inspiriert?

Sidney Crosby ist einzigartig. Er ist im Training und Spiel der Beste auf dem Eis gewesen – und darüber hinaus ein überragender Captain. Er wusste bei jedem Spieler, wann die Familien kommen, als hätte er sich im Büro umgehört. Er hat ständig Mitspieler zum Essen eingeladen, hat alles getan, dass man sich wohlfühlt.

In 188 NHL-Spielen gelangen Ihnen 83 Scorerpunkte, das ist eigentlich ein ganz guter Schnitt. Trotzdem blieb Ihre Rolle unklar: Mal gehörten Sie im Sturm zu den ,Top Six“, die Tore produzieren, mal zu den ,Bottom Six‘, die das Ergebnis halten sollen. Und nach drei Jahren hat die Liga Sie fallen lassen. Hätten Sie den NHL-Traum gerne länger gelebt?

Ich wurde oft getradet, das ist das Business dort. Ich kann jedenfalls in den Spiegel schauen, weil ich alles auf dem Eis gelassen habe. Und ich finde nicht, dass die Zeit unerfolgreich war. Nächster Schritt war dann die Schweiz, und auch dafür bin ich dankbar. Wir haben viele Freunde gewonnen und mit Bern und Lausanne zwei verschiedene Städte erlebt. Jetzt bin ich wieder zuhause.

Sie sagten kürzlich, als Spieler hätten Sie neue Seiten an sich entdeckt, würden sich nicht vorrangig über Scorerpunkte definieren.

Das Spielerische ist der bestimmende Teil von mir und wird immer da sein, aber meine Defensivarbeit hat sich verbessert. Durch meine Olympia- und WM-Teilnahmen bringe ich eine große Erfahrung mit, habe Leadership entwickelt und will Vorbild sein für die jüngeren Spieler. Sie sollen zu mir kommen und mich fragen können.

Die vergangenen zwei Jahre hatten Sie die Verletzungsseuche. Was war los?

Früher hatte ich einfach Glück, war nie verletzt. Ich glaube, für Verletzungen gibt es Ursachen, Die letzten zwei Jahre habe ich mich müde gefühlt, auch mit den Wechseln und dem Hin und Her in Bern am Ende. Ich habe in zwei Jahren beide Hände gebrochen, ohne Gegnereinwirkung. Das konnte sich keiner erklären, denn die Schüsse, die ich stoppte, waren nicht hart. Ich hätte mich mehr ausruhen sollen. habe das diesen Sommer getan, bin erholt – und jetzt fängt auch mit der Familie eine neue Geschichte an.

Am Samstag sind Sie Vater geworden. Und jetzt: Hochgefühl?

Als Allererstes bin ich müde, habe nicht viel geschlafen. Was ich im Eishockey erlebt habe, ist nebensächlich verglichen mit diesem emotionalen Tag. Und ich bin jemand, der sich viele Gedanken macht übers Eishockey, über meine Leistung, die Karriere. Jetzt habe ich das schönste und größte Geschenk bekommen, alle Erfolge sind nichts dagegen. Ich muss zugeben: Beim ersten Eistraining war ich mit den Gedanken bei Frau und Kind.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

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