ZUM TAGE

Bezos bei Liverpool: You‘ll never sell alone

von Redaktion

Geplanter Investoren-Einstieg

Die englischen Fans beweisen immer wieder einen feinen Humor. Als die Meldung erschien, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos sich beim FC Liverpool einkaufen wolle, lautete einer der ersten Kommentare: „Eine abstoßende, seelenlose Hülle, die weltweit voranschreitet und Elend verbreitet… wird nun mit Jeff Bezos in Verbindung gebracht.“

Anders als in Deutschland, wo viele Fans seit der Zeit von Jürgen Klopp dem FC Liverpool die Daumen drücken, sind die Reds in England nämlich nicht gerade beliebt: Einer der Hauptvorwürfe lautet immer wieder, durch pathetisches Marketing das Bild eines familiären Underdog-Vereins erzeugen zu wollen, während man genauso mit Geld um sich schmeißt wie die restliche Konkurrenz.

Der mögliche Einstieg von Jeff Bezos, einem der reichsten und gleichzeitig streitbarsten Menschen der Welt, wird daran nicht viel ändern. Schließlich steht der Amazon-Gründer seit Jahren in der Kritik: Amazon treibt den Klimawandel wie kaum eine andere Firma voran, vernichtet Retouren anstatt sie zurückzunehmen, vermeidet Steuern, verdrängt mit seiner Marktmacht kleinere Anbieter, beutet seine Mitarbeiter aus und lässt sie überwachen.

Ein frisch gekündigter Amazon-Mitarbeiter, der vorher ohne Tarifvertrag unbezahlte Überstunden leisten musste, kann über das potenzielle Bild von Bezos mit einem „You’ll never walk alone“-Schal wohl nur müde lächeln.

Vielleicht lautet das ehrliche Vereinsmotto daher eher: „You’ll never sell alone.“ Denn rund 33 Prozent der Vereinsanteile sollen nun an die Investorengruppe um Bezos verkauft werden. Zur traurigen Wahrheit gehört allerdings: Es gibt im Weltfußball kaum Vereine, die nicht durch nebulöse Geldgeber finanziert werden.

Die Eigentümer von Manchester City (Abu Dhabi) oder Paris Saint-Germain (Katar) stehen auch nicht im Verdacht, bald einen Menschenrechtspreis zu gewinnen. Bei Newcastle United hat der saudische Staatsfonds PIF das Sagen, und selbst Borussia Dortmund lässt sich seit 2024 vom Rüstungskonzern Rheinmetall sponsern. Was für eine schöne neue Fußballwelt!

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