Voller Einsatz am Dienstag trotz seiner schwierigen Vertragssituation: Noch-Bayern-Abwehrspieler Sacha Boey im Zweikampf mit Alphonso Davies. © Philippe Ruiz
München – Du bist noch da – aber eigentlich wollen sie dich nicht mehr. So beschreibt Sportpsychologe Matthias Herzog die Situation von Joao Palhinha (31/Vertrag bis 2028), Bryan Zaragoza (24/bis 2029) und Sacha Boey (25/bis 2028) beim FC Bayern. Das Trio, in der Vorsaison bereits verliehen, soll trotz laufender Verträge im Sommer abgegeben werden.
„Das kann einen Spieler stärker beschäftigen, als es von außen den Anschein hat. Denn bei einem Profi geht es nicht nur darum, seinen Arbeitsvertrag zu erfüllen“, sagt Herzog. „Ein großer Teil seiner Identität entsteht über Wettbewerb, Leistung, Anerkennung und das Gefühl, für die Mannschaft gebraucht zu werden. Das ist aktuell nicht in Sicht.“
Zur Wahrheit gehört aber auch: Palhinha, Zaragoza und Boey sind nicht ausgemustert. Sie trainieren weiterhin mit den Profis und kommen auch bei Testspielen zum Einsatz. Hoffnungen auf eine wichtige Rolle in der kommenden Saison sollten sie sich aber nicht machen. „Das heißt nicht, dass Palhinha, Boey oder Zaragoza plötzlich nicht mehr alles geben werden. Entscheidend ist aber, ob der Spieler noch daran glaubt, seine Situation durch Leistung verbessern zu können“, erklärt Herzog.
Vor allem Boey macht in der Vorbereitung auf sich aufmerksam. Der Franzose fiel auch im Trainingsspiel am Dienstag mit positiver Aggressivität auf. Schon beim 2:1 zum Abschluss der Asien-Reise gegen Aston Villa in Hongkong hatte er gute, extrem physische Ballgewinne. Der Rechtsverteidiger, der in der Vorsaison an Ex-Club Galatasaray Istanbul ausgeliehen war, wirkt generell sehr fit und aktiv.
Interessenten hat das Trio zwar – aber keinen ähnlich großen Verein wie den FC Bayern. Hinzu kommt der Faktor Gehalt. „Warum sollte ein Spieler also automatisch wechseln?“, fragt Herzog. „Bei Bayern kann er seinen bestehenden Vertrag erfüllen, sehr gutes Geld verdienen und für einen der größten Vereine Europas arbeiten – selbst wenn er sportlich womöglich nur noch eine Nebenrolle spielt.“
Von außen sei schnell gesagt: „Wenn er Fußball spielen will, soll er eben wechseln.“ Für den Spieler ist die Rechnung laut Herzog komplizierter: „‚Wie viel Geld bin ich bereit aufzugeben, um wieder regelmäßig zu spielen?‘ Und umgekehrt: ‚Wie viel meiner begrenzten Karrierezeit bin ich bereit für einen sehr guten Vertrag zu opfern?‘ Genau darin liegt der goldene Käfig. Finanziell kann Bleiben ausgesprochen attraktiv sein. Sportlich kann dieselbe Entscheidung irgendwann sehr teuer werden.“
Boey jedenfalls kämpft für seine womöglich letzte Chance beim FC Bayern.P. KESSLER, V. TSCHIRPKE