Rote Zahlen in Riem

von Redaktion

Kosten zu hoch: Geschäftsführer Blum über das drohende Aus von Pferd International

Die Familie Blum: Ulrike (li.), Ex-Weltmeisterin Simone mit Ehemann Hansi und den Kindern Hanna und Lukas und Jürgen (ganz re.) © Gongoll/Imago

Können Pferde fliegen? Beim Schimmel Nestor Vdr, geritten vom Schweizer Noah Keller, sah es beim Großen Preis von Bayern in diesem Jahr fast danach aus. © Gongoll/Imago

Riem – 44 Jahre sind eine lange Zeit. Seit 44 Jahren findet in Riem die Pferd International statt und lockt jährlich bis zu 80.000 Zuschauer an die Olympia-Reitanlage. Doch ob es nächstes Jahr eine 45. Ausgabe des größten Outdoor-Pferde-Events Süddeutschlands geben wird, ist derzeit mehr als fraglich. Die Veranstaltung steckt in den roten Zahlen. Und die Zeit drängt.

„Es ist nach wie vor ein wunderbares Festival, aber die Organisationskosten sind seit der Pandemie derart gestiegen, dass sie nicht mehr zu decken sind“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Blum, der das bunte Spektakel seit 1993 mit seiner Hippo Pferdeveranstaltungs GmbH verantwortet. Dabei wähnte man sich noch 2019 genau auf dem richtigen Weg. Alles funktionierte. Doch Covid warf die Reiter buchstäblich aus dem Sattel. Sponsoren sprangen ab oder überlebten die Pandemie selbst nicht. Die Preise schossen in die Höhe – und einige Firmen haben sie bis heute nicht gesenkt.

„Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben geht zu weit auseinander“, sagt Blum, der das jährliche Minus zuletzt aus der eigenen, privaten Tasche auffing. „Doch jetzt ist eine Dimension erreicht, die ich meiner Familie weder erklären, noch zumuten kann.“ Deswegen zieht der ehemalige Olympia-Teilnehmer (1996 in Atlanta) die Reißleine.

Wobei, so ganz gibt der gebürtige Münchner sein Herzensprojekt noch nicht auf. Er telefoniert, hört sich um, schildert die Situation – und hofft auf potente Unterstützer aus der Szene. „Die Gesellschaft muss sich überlegen, ob sie ein solches Event haben will oder nicht. Und falls ja, muss man mit anpacken.“

Das Gesamtbudget des Festivals, das dieses Jahr rund 600 Pferde, verteilt auf Dressur, Springreiten, Voltigieren und Showeinlagen, präsentierte, liegt bei etwa zwei Millionen Euro. Allein 100.000 bis 120.000 Euro kostet mittlerweile der Sicherheitsdienst. „Vor zehn Jahren waren das noch 30.000 Euro“, rechnet Blum vor. Am Ende summieren sich tausende Kleinigkeiten zu einem großen Batzen.

Eine Verkleinerung stand und steht nicht zur Diskussion. Denn die „Gesamtheit macht den Reiz aus“. Außerdem: „Was soll man weglassen?“ Auch die Kartenpreise wollte Blum nicht erhöhen. Im Gegenteil, gerne wäre er für Familien sogar noch günstiger. Dabei bewegte man sich an der Tageskasse mit 39 Euro für eine Tageskarte und 79 Euro für ein Familienticket im mehr als fairen Rahmen.

Wie geht es nun also weiter? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Blum. Doch die helfenden Hände müssen schnell gefunden werden. Im September beginnen im Normalfall die Vorbereitungen für das kommende Jahr.MATHIAS MÜLLER

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