„Ergebnis der vergangenen Jahre und kein Zufall“: Die Karriere von Florian Bremm nimmt richtig Fahrt auf. © Imago
Tränen des Glücks: Florian Bremm rannte über die 5000 Meter sensationell zur Silbermedaille. © Schrader/dpa
Birmingham – Florian Bremm stand mit von gegnerischen Spikes zerkratzten Unterschenkeln im Alexander Stadium, die Spuren seines großen Silberfights waren unübersehbar. Und so tough der zähe Mittelfranke kurz zuvor im packenden 5000-m-Finale zum größten Erfolg seiner Karriere gestürmt war, so weich wurde er nun. „Profisport ist superegoistisch“, sagte Bremm. „Ich verlange sehr viel von meiner Familie, meiner Freundin, meinen Freunden. Ich bin viel weg. Irgendwie nimmt man immer bloß und gibt wenig.“ Und es erfüllte den 25-Jährigen mit großem Glücksgefühl, dass er nun viel zurückgeben konnte.
Nach 13:15,60 Minuten und einem packenden Finish musste sich der Landespolizist nur knapp dem norwegischen Olympiasieger und Titelverteidiger Jakob Ingebrigtsen (13:15,29), einem der Allergrößten im Laufbusiness, geschlagen geben. „Die Zielgerade war verrückt. Außer in der Läuferszene kannte mich wohl vor dieser Saison niemand“, sagte Bremm: „Dann war ich auf den letzten 100 Metern hier plötzlich vorne.“
Was ihm da durch den Kopf ging? „Wenn ich ehrlich bin, dachte ich mir: Fuck, fuck, fuck, fuck, fuck!“ Verständlich, denn noch vor fünf Jahren begann Bremm nach mehrfach erfolglosen Bewerbungen im Spitzensport eine Ausbildung bei der Polizei und wechselte von den 3000 m Hindernis zu den 5000 m. Zwei Jahre später knackte er die Kadernorm. Erst seit 2023 widmete er sich ausschließlich dem Sport.
Sein Trainingsansatz: hohe Umfänge und kontrollierte Intensitäten. 160 bis 170 Kilometer in der Woche spult das Energiebündel aus Colmberg (Großraum Nürnberg) ab. Am Montag war er körperlich voll auf der Höhe. „Das alles ist ein Ergebnis der vergangenen Jahre und kein Zufall“, sagte Bremm, 2024 in Rom noch auf EM-Platz 23. Er trainierte zunehmend professioneller und wissenschaftlicher, und „im Mai im Trainingslager merkte ich, dass ich einen Riesenstep gemacht habe.“
12:56,80 Minuten lief er diese Saison in Turku, nur zwei Deutsche – Mo Abdilaahi und Dieter Baumann – waren je schneller. Doch das öffentliche Interesse galt zunächst trotzdem anderen. „Ich bin gerne der Underdog“, sagte Bremm. Das dürfte sich ab jetzt erledigt haben.