Mehr als nur ein Joker?

von Redaktion

Ortivero Calderon trifft für 1860 nach Belieben – alle 23 Minuten zappelt der Ball im Netz

Ob mit dem Kopf oder per flachem Abschluss: Ortivero Calderon ist kaum zu bremsen. © Zink/Imago

Wenn er kommt, wird es gefährlich: Löwen-Youngster Ortivero Calderon erzielt derzeit Tore wie am Fließband – und empfiehlt sich für höhere Aufgaben. © Zink/Imago

Wendelstein – Marcel Lenhart musste lachen. Am Dienstagabend kam der Ersatztorwart von Landesligist Wendelstein bei der 1:5-Pleite im Totopokal gegen 1860 in der zweiten Halbzeit in die Partie. Angesprochen auf das ungleiche Duell erklärte Lenhart unserer Zeitung mit einem Grinsen: „Unsere Verteidiger sind ja schon Kanten. Aber der Junge? Brutal!“ Mit dem „Jungen“ meinte der Keeper Löwen-Stürmer Arian Ortivero Calderon. Vier Treffer – zwei davon gegen Lenhart – schenkte der 18-Jährige den Mittelfranken ein. Bulliger Körper, wuchtiger Abschluss – all das war deutlich zu viel für Wendelstein.

Die Quoten Calderons lesen sich atemberaubend. Sechs Pflichtspiele, zehn Tore. Und das wohlgemerkt in nur 227 Minuten, häufig kam der Angreifer erst als Joker in die Partie. Alle 22,7 Minuten trifft Calderon. Das Verrückte: In Wendelstein ließ der 1,98-Meter-Mann noch weitere große Chancen liegen. Sah auch 1860-Coach Alper Kayabunar nach Abpfiff so: „Man muss ehrlicherweise sagen, dass er heute noch zwei Tore mehr hätte schießen müssen.“ Kayabunar ahnt, dass in Calderon sogar noch mehr Potenzial schlummert, als dieser bisher zeigen konnte.

Dennoch ist der 40-Jährige wenig überraschend zufrieden mit seinem Sturmjuwel. Besonders in der Jokerrolle. Denn nach seinem Startelfeinsatz in Wendelstein droht Calderon im Regionalliga-Gipfel bei Spitzenreiter Memmingen am Freitag (19 Uhr, live auf merkur.de) die Ersatzbank. Es ist davon auszugehen, dass Kayabunar wie in den ersten beiden Ligaspielen erneut auf das routinierte Duo Michael Eberwein und Flo Niederlechner setzen wird. Trifft Calderon jedoch weiter wie am Fließband, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auch in der Liga von Anfang an von der Leine gelassen wird.

Möglicherweise wird hinter ihm dann Tunay Deniz die Fäden im Spiel der Löwen ziehen. 283 Tage nach seinem Kreuzbandriss feierte der 32-Jährige in Wendelstein sein Comeback – und übernahm sofort die Chefrolle im Mittelfeld. Im BR betonte er danach: „Ich hatte richtig viel Bock. Wir haben neun Monate lang hart dafür gearbeitet, dass ich wieder auf dem Platz stehe.“ Die Spielfreude war Deniz anzumerken. Er forderte jeden Ball in den Fuß, gab lautstark Kommandos und verteilte Pässe in die Spitze. „Erfreulich, dass er heute 60 Minuten spielen konnte. Man hat gesehen, wie er Kontrolle reingebracht hat und die jungen Spieler lenkt – das wird uns sicher helfen in den nächsten Wochen“, urteilte Kayabunar.

Auch Deniz drängt sich wieder in die Startelf. Ob in Memmingen oder in den 33 Spielen danach: Kayabunar hat Jungs in der Hinterhand, die brennen – und abliefern.MARCO BLANCO UCLES

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