FOOTBALL

Zwischen Titeltraum und Zweifeln

von Redaktion

Die Munich Ravens freuen sich auf das Halbfinale – die Liga hat noch einige Baustellen

Sportlich läuft es für die Ravens hervorragend, gegen Frankfurt sind sie der klare Favorit. © IMAGO

München – Neun Siege, nur eine Niederlage, Platz zwei in der Tabelle. Viel überzeugender hätte die Saison der Munich Ravens in der neu gegründeten European Football Association (EFA) nicht laufen können. In eigentlich jeder anderen Liga hätte diese Platzierung Heimrecht in den Playoffs zur Folge, nicht so in der EFA.

Denn die Ravens müssen am kommenden Samstag (18 Uhr) zum Halbfinale nach Frankfurt. Dort treffen sie beim „BIG4“ auf die heimischen Galaxy, die in der Hauptrunde nur vier Siege holten. Eine der vielen Kuriositäten in einer sowohl für die Ravens als auch allgemein guten, aber keineswegs perfekten Saison der neuen Footballliga.

„Natürlich wollen wir unserem Publikum in München Playoff-Football zeigen. Wenn man die Situation des Sports in Europa aber allgemein betrachtet, ist klar, dass man vielleicht etwas anderes, etwas Besonderes machen muss. Wir können nicht einfach den Weg der letzten Jahre fortführen und nur den Namen der Liga ändern. Es braucht solche Events wie das „BIG4“, um mehr Fans abzuholen und zu begeistern“, fasst Ravens-Manager Sean Shelton die Situation zusammen.

Als Nachfolger der auf diversen Ebenen gescheiterten European League of Football (ELF) war die EFA angetreten, um American Football in Europa zu professionalisieren. Eine große Halbfinalparty über das gesamte Wochenende im Herzen des Kontinents ist da sicher keine schlechte Idee, um für mehr Begeisterung zu sorgen. Selbige war teilweise während der Premieren-Spielzeit schon ersichtlich – gerade bei den erfolgsverwöhnten Ravens-Fans –, final übergesprungen ist der Funke aber noch nicht.

Einer der Hauptgründe: die mangelnde Spannung. Von sechs Mannschaften qualifizieren sich vier für das Halbfinale, was die Wertigkeit der einzelnen Partien herabsetzt. Die Fußball-WM lässt grüßen. Hinzu kommt das starke Gefälle innerhalb der Liga, die nächstes Jahr durch ein neues Team aus London erweitert wird. Zu groß war die Dominanz der Ravens sowie von Nordic Storm aus Kopenhagen, sodass selten ein richtiger Wettbewerbscharakter aufkam.

„Jeder möchte eine spannende Liga mit den besten Teams und Spielern, das hat nicht so funktioniert, wie sich die EFA das vorgestellt hat. Aber es ist noch zu früh, um jetzt schon wieder Grundsätzliches zu hinterfragen. Wir haben noch keinen Titel geholt, wir haben noch kein Playoff-Spiel gewonnen, daher verzichten wir auf große Reden“, so ein zurückhaltender Shelton.

Bei aller Bescheidenheit wäre alles andere als der Final-Einzug der Ravens eine große Überraschung. Die Organisation hat es geschafft, eine perfekt abgestimmte Mannschaft zu bauen. „Was auf dem Feld zu sehen ist, ist das Resultat der harten Arbeit, die jeder in den letzten Jahren geleistet hat. Wir haben versucht, eine College-ähnliche Atmosphäre zu schaffen. Die Jungs sollen den ganzen Tag zusammen verbringen, denn wenn gute Menschen viel Zeit gemeinsam verbringen. Entstehen gute Dinge. Es ging uns nicht mehr nur darum, einfach Talent anzuhäufen, sondern auch auf den Charakter der Spieler zu achten. Das zahlt sich in den engen, schwierigen Momenten aus“, schwärmt Cheftrainer Kendral Ellison.

Die Munich Ravens sind titelreif. Der Plan der Franchise ging also auf, bei dem der Liga hakt es noch.C. SCHÖNFELD

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