Party mit den Anhängern: Die Löwenfans waren in der Memminger Arena deutlich in der Überzahl – und feierten nach dem 3:0-Sieg die siegreichen Sechzger. © Wagner/Imago
Memmingen – Um 20.48 Uhr verwandelte sich die Memminger Arena endgültig in ein Tollhaus. Eben hatte Michael Eberwein mit einem traumhaften Schlenzer für den 3:0-Siegtreffer der Löwen beim bisherigen Tabellenführer gesorgt. Der erste Sieg in der Regionalliga Bayern unter der Flagge der Spielbetriebs-Gesellschaft entlockte der Gästekurve eine vielsagende Botschaft: „Der TSV ist wieder da!“, hallte es durch das größtenteils mit Löwenfans besetzte Stadion. Auf dem Rasen lagen sich die Spieler in den Armen, 1860-Keeper Vitus Eicher betonte: „Es tut unfassbar gut, dass wir diesen Sieg geholt haben. Ein 3:0-Sieg beim Spitzenreiter ist ein Statement!“
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die weiß-blaue Party am seidenen Faden hing. In der 55. Minute vergab Memmingens Angreifer Luis Pfaumann freistehend die Riesenchance zum 1:1. Dann hatte 1860-Kapitän Dennis Dressel Glück, gelb-vorverwarnt nach einem weiteren Foul nicht vom Platz zu fliegen. In der nächsten Aktion ebnete ausgerechnet jener Dressel mit einem genialen Pass auf Lance Fiedler den Weg zum 0:2 durch den jungen Außenverteidiger (57.). Das Zuspiel brachte Dressel zurecht das Lob von Mitspieler Tunay Deniz ein: „Wie Dennis dieses Tor vorbereitet, ist halt Weltklasse.“
Geschichte wiederholte sich an diesem Freitagabend: Schon in die erste Memminger Drangphase hinein spielten die Löwen den Spielverderber. Die Abwehr der Sechzger wackelte zu Beginn der Partie enorm, überstand diese Phase jedoch ohne Gegentreffer. Nach rund 15 Minuten hatte Emre Erdogan dann seinen Auftritt, ließ mehrere Memminger stehen und fand in der Mitte Routinier Florian Niederlechner, der zum 0:1 einschob. Bis zur Pause entwickelte sich eine Partie, die mehr durch Foulspiele als durch Torchancen geprägt wurde. „Das war fußballerisch nicht gerade das beste Regionalligaspiel“, erklärte auch Sechzig-Coach Alper Kayabunar.
Die überschaubare Qualität auf dem Platz tat der außergewöhnlichen Stimmung auf den Rängen keinen Abbruch. Spätestens nach dem zweiten Treffer der Löwen kochte das Stadion. Torschütze Fiedler zeigte sich beim BR überwältigt: „Ich kriege Gänsehaut, bei dem, was die Fans hier abliefern.“
Neben allen Glücksgefühlen wussten die Löwen jedoch auch, dass sie sich weiter steigern müssen in den kommenden Wochen. „Das Spiel mit dem Ball können wir noch verbessern. Aber diese Mannschaft ist noch nicht lange zusammen. Wir trainieren teilweise erst seit drei Wochen miteinander“, wusste Eicher die Situation richtig einzuschätzen.
Es geht weiter Schlag auf Schlag für 1860: Bereits morgen (19 Uhr, BR & merkur.de live) geht es in Aubstadt weiter. Eicher & Co. gehen die weiteste Auswärtsfahrt der Saison – 300 Kilometer Strecke – mit breiter Brust an: „Dieser Sieg wird uns Auftrieb geben“, richtete der Löwenkeeper den Blick nach vorn.MARCO BLANCO UCLES