Ein starkes Team: Heiko Gussmann, Marvin Schulte, Kevin Kranz und Lucas Ansah-Peprah sprinten zu Silber. © Hoppe/dpa
Europameister Frederik Ruppert wird bald Papa und schickte Grüße in die Heimat. © Vaughan/EPA
Amanal Petros krönte sich zum neuen Marathon-Europameister. © Harlow/dpa
Die Speer-Giganten: Julian Weber ist Europameister, Nick Thumm warf sensationell zu Silber. © Kohring/Imago
Birmingham – Am finalen Wochenende der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham regnete es nochmal deutsche Medaillen. Julian Weber rieb sich das Kinn. „Mein Kiefer tut echt weh, ich habe so viel rumgeschrien“, sagte Europas Speerwurf-König nach seinem Wahnsinns-Wurf zu Gold. Erst im letzten Versuch machte der Mainzer seinen zweiten großen Titel der Karriere klar und konterte den aufmüpfigen und sensationellen Silber-Gewinner Youngster Nick Thumm aus. „Das war schon mit das geilste Feeling, das ich bisher so hatte“, sagte Weber über seinen Meisterschaftsrekord von 90,40 Metern: „Ich wollte einfach zeigen, dass ich ein mentales Biest bin.“
24 Stunden später hat völlig überraschend auch Julia Ulbricht mit ihren 61,53 Metern Silber im Speerwurf gewonnen. Es ist die erste Medaille für eine deutsche Speerwerferin seit 2018.
Mental stark blieb die 4×100-m-Staffel der Herren auch ohne ihren Star: Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah trumpften groß auf. In 38,64 Sekunden mussten sie sich nur den Briten in 38,45 Sekunden geschlagen geben. Dritter wurde Belgien in 38,70 Sekunden. „Ich bin einfach um mein Leben gelaufen“, sagte Ansah-Peprah. So stehen mit den Erfolgen von Owen Ansah (siehe unten) drei EM-Medaillen zu Buche für die Sprinter, wenn auch zwei noch mit einem Vorbehalt. „Das ist historisch. Owen hat so was Großartiges geleistet, wir haben Silber geholt“, sagte Schlussläufer Ansah-Peprah. „Die Frauen haben es vorgemacht, und jetzt sind wir auch da. Wir sind einfach stolz auf uns selber.“
Bereits am Freitag hatte Emil Agyekum eine vier Jahrzehnte lange Durststrecke beendet und als erster Deutscher seit Harald Schmid eine EM-Medaille über 400 m Hürden gewonnen. Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach Schmids letztem von drei Europameister-Titeln musste sich der deutsche Rekordhalter Agyekum in 47,87 Sekunden nur dem überragenden norwegischen Weltrekordmann Karsten Warholm (46,63) geschlagen geben und sicherte sich Silber. „Ich bin sehr entspannt ins Rennen gegangen und habe einfach das gemacht, was ich am besten kann“, sagte Agyekum: „Das ist die Belohnung für harte Arbeit. Und es ist erst der Anfang.“
Silber gab es zudem für Diskus-Dauerbrennerin Shanice Craft. Gleich zu Beginn schockte die schon mit Silber im Kugelstoßen dekorierte Niederländerin Jorinde van Klinken die Konkurrenz. Craft startete gut mit 64,49 Metern und steigerte sich im dritten Durchgang auf 65,72 Meter.
Für einen goldenen Start in den Sonntag sorgte Amanal Petros mit dem Marathon-Sieg. Und das trotz Einreiseproblemen. Der WM-Zweite aus Hannover setzte in der Meisterschafts-Rekordzeit von 2:09:11 Stunden souverän vor dem Italiener Pietro Riva (2:09:18) durch. Es war die fünfte Goldmedaille für den DLV in Birmingham. „Es war mein Ziel, früh alles klar zu machen“, sagte Petros, der die letzten 15 km alleine lief, in der ARD: „Die Strecke ist furchtbar schwer gewesen, es tut überall weh. Ich glaube, ich muss zum Physio.“ In der Teamwertung gewann Deutschland damit wie vor vier Jahren hinter Israel Silber.
Das sechste deutsche Gold ging an 3000-Meter-Hindernis-Läufer Frederik Ruppert. Der 29-Jährige lief nach 8:25,33 Minuten zu seinem ersten großen Titel der Karriere und jubelte mit Daumen im Mund „Ich werde im Januar Papa und das hat mir extrem viel Kraft und Power gegeben dieses Jahr“, sagte Ruppert. Bronze ging wie vor zwei Jahren an Karl Bebendorf (8:26,65).
Die richtige Bewährungsprobe auf dem Weg Richtung Los Angeles gibt es dann nächstes Jahr bei der WM. Weber blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir sind unfassbar stark, es kommt so viel Gutes in der Jugend hinterher.“DPA, SID