Das famose EM-Heimspiel vor vier Jahren in München ist heute noch in bester Erinnerung. Auch der Besuch im nahen Rom vor zwei Jahren war aus deutscher Sicht ordentlich. Doch die Leichtathletik-Tage von Birmingham toppen alles – zumindest aus sportlicher Sicht. Wer die Auftritte des frischen, frechen und mutigen DLV-Teams gesehen hat, fühlte sich oft bestens unterhalten – die zahlreichen Medaillen belegen das auch auf dem Papier.
Wichtig mit Blick auf die Olympischen Spiele in Los Angeles: Einige Aushängeschilder (Mihambo, Weber, Krause, Petros) haben noch mindestens zwei gute Jahre vor sich. Andere (Neugebauer, Kaul) könnten in den USA ihren Zenit erreichen. Und: Es gibt auch junge Athleten wie Zehnkämpfer Amadeus Gräber oder Überraschungs-Speer-Silbergewinner Nick Thumm (beide 21), die nachdrängen.
Selbst die Causa Owen Ansah haben die DLV-Athleten offensichtlich gut verkraftet. Der Hamburger wäre eigentlich „der“ deutsche Star der EM – über 200 Meter gewann er im Stile des jungen Usain Bolt, dazu Bronze über 100 Meter. Wäre da nicht das schwebende Verfahren um seinen nicht absolvierten Dopingtest. Ansah ist sich seiner Sache weiter sicher, sein Gold widmete er seinem dreijährigen Sohn. Die Fallhöhe ist immens.
Auch der DLV-Tross hat mit seinen Auftritten Begehrlichkeiten geweckt. Doch man darf sich nicht blenden lassen. Ohne weiteren Input kein Output. 2018 wähnte man sich ähnlich weit oben, holte bei der EM in Berlin 19-mal Edelmetall. 2021 bei Olympia in Tokio (3) und 2023 bei der WM in Budapest (0) war von der Euphorie nichts mehr übrig.
Die fehlte über weite Strecken auch bei den Briten. Die Tribünen waren besonders zu Beginn nur spärlich besetzt. Dazu kamen mehrere organisatorische Pannen (zum Beispiel: falsch eingestellte Höhe beim Stabhochsprung der Zehnkämpfer). Für München ist das eine gute Nachricht. Die Landeshauptstadt bewirbt sich für die WM-Ausrichtung 2029 und 2031. Einer der größten Konkurrenten ist eine Großstadt von der Insel: London. Eine Entscheidung soll im September fallen.