Schneller Superstar als gedacht

von Redaktion

Zwei Titel, ein Weltrekord: Johannes Liebmann (19) mischt die Schwimm-Welt auf

Gold für Liebmann, Bronze für Klemet (r.). © Dilkoff/AFP

Ungarns Zalan Sarkany gratulierte Johannes Liebmann als Erster zum Weltrekord. © De Rosa/AFP

Bei der ersten Europameisterschaft gleich kräftig abgeräumt: Johannes Liebmann verlässt Paris mit zwei Goldmedaillen und einem Weltrekord. © De Rosa/AFP

Paris – Die unvergesslichen Erlebnisse in der tosenden Pariser Schwimmhalle inklusive Weltrekord-Coup nimmt Johannes Liebmann mit in die Berg-Idylle. Der 19-Jährige geht nach seiner grandiosen EM nicht auf Partytour – er freut sich auf einen Wanderurlaub mit der Familie im Allgäu.

Liebmann hat dort viel zu verarbeiten. Seine Geschichte der Tage im Centre Aquatique Olympique liest sich wie ein Märchen. Zweimal Gold, Weltrekord über 1500 Meter Freistil, Europarekord über 800 Meter. Der Norddeutsche hat bei seiner ersten Europameisterschaft der Elite auf der Langbahn erreicht, wovon fast alle seiner Kollegen eine ganze Karriere lang nur träumen können. Dass er jetzt erstmal raus aus dem Trubel und rein in die Natur will, passt zum neuen deutschen Schwimmstar.

„Er ist ein sehr bodenständiger Junge, immer sehr gut gelaunt“, beschrieb Teamkollege Oliver Klemet, der in Liebmanns Weltrekordrennen Bronze gewann. „Er hat sich das im Training sehr gut verdient. Er ist sehr fleißig, fragt sehr viel nach bei uns Älteren“, erklärte der 24-Jährige. „Auch wenn die Leistungen jetzt so sind, dass er der neue Superstar ist – wenn man das so sagen kann –, dann ist er immer noch wirklich sehr schüchtern“, sagte Klemet und ergänzte: „vorbildlich“.

Superstar? So richtig ernst nehmen kann Liebmann die Bezeichnung für sich selbst nicht. „Wir bezeichnen uns gegenseitig als Superstars manchmal“, erklärte er lapidar. „Ich habe Riesenrespekt vor Oli, aber auch vor den ganzen anderen Großen. Die machen das echt super. Dass ich jetzt da irgendwie dran vorbeigekommen bin, kann ich immer noch nicht ganz fassen.“ Liebmann kam nicht nur irgendwie dran vorbei. Mit seiner Zeit von 14:26,79 Minuten war er fast vier Sekunden schneller als der US-Amerikaner Bobby Finke bei seiner Bestmarke vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen. Er ist erst der zweite Deutsche nach Jörg Hoffmann 1991, dem auf der längsten Beckendistanz eine Weltbestmarke gelang.

Liebmanns Magdeburger Teamkollege und 400-Meter-Weltrekordler Lukas Märtens hatte „Gänsehaut“. Vize-Weltmeister Sven Schwarz kommentierte die Fabelzeit mit den Worten: „Da kann man sehen, auf was für einer Erfolgswelle der Junge ist.“ Schwarz ergänzte: „Es macht extrem Spaß, mit ihm zu trainieren, mit ihm bei Wettkämpfen zu sein. Da muss man jetzt dranbleiben, damit man ihn vielleicht auch mal wieder schlägt.“

Anders als über 800 und 1500 Meter bei dieser EM ist Liebmann zumindest auf einer Nebenstrecke noch schlagbar. Über 400 Meter Freistil schied er am Sonntagmorgen im Vorlauf aus. Unzufrieden war er danach nicht und berichtete von einer Nacht mit wenig Schlaf. Im Finale am Abend schnappte Märtens dann zu: Auf der letzten Bahn kämpfte sich der Weltrekordhalter von Platz fünf noch auf den Bronze-Rang vor. Klemet wurde Fünfter.

Auch die Teams präsentieren sich stark. Über 4×200 Meter Freistil gewann die Mixed-Staffel Silber – Märtens, Jarno Bäschnitt, Linda Roth und Maya Tobehn schlugen nach 7:25,43 Minuten an. Die deutschen Schwimmer liefern ab.DPA

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