ZUM TAGE

Baustellen im deutschen Sport bleiben

von Redaktion

Neue Hoffnung nach Medaillenregen?

Ob Birmingham (Leichtathletik), Paris (Schwimmen), Frankfurt (Rhythmische Sportgymnastik) oder Aachen (Reiten): überall feiernde deutsche Athleten, Medaillen en masse. Kann Deutschland jetzt doch wieder Spitzensport?

Die deutsche Sportwelt wird in den nächsten Jahren häufig nach Leipzig schauen. Nach jahrelangem Hauen, Stechen und Ringen zwischen Politik und Sport wurde im Juli das neue Sportfördergesetz beschlossen. Allen war immer klar, dass das alte System zu starr, zu bürokratisiert, zu intransparent ist. Eine unabhängige Spitzensport-Agentur, mit Sitz in Leipzig, soll als Stiftung über Förderungen entscheiden. Im Stiftungsrat werden künftig auch Athleten eine Stimme haben. Dass das überhaupt zur Debatte stand, sagt viel darüber aus, wie der Sport in verstaubten Berliner Polit-Büros lange gesehen wurde (oder wird).

Die Entscheidungsträger ließen sich jedenfalls schon feiern, bevor das neue System überhaupt anrollt. „Ich bin überzeugt: Dieses neue Kapitel wird ein Erfolgskapitel für den deutschen Spitzensport“, sagte Dr. Christiane Schenderlein, die mittlerweile als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt auch schon wieder abberufen wurde.

Doch nur durch ein Gesetz wird es bei den kommenden Olympischen Spielen keine Medaillen regnen. Zu groß die Sorge, dass doch wieder alles in einer Überbürokratisierung endet, zu vage sind viele Punkte noch. Trainer sollen eine „angemessene“ Entlohnung enthalten und gefördert werden, aber wie genau wird das aussehen? Der deutsche Sport ist komplex, nicht so zentralisiert organisiert, wie beispielsweise in der Niederlanden oder Norwegen.

Speerwerferin Julia Ulbricht (Nebenjobs, um den Sport zu finanzieren), Hindernisläuferin Gesa Krause (fehlende Hilfe nach der Schwangerschaft) gewannen Medaillen trotz des deutschen Systems. Athleten wie Leo Neugebauer oder auch Robert Farken setzen auf Training in den USA. 362 Millionen Euro sind im Bundeshaushalt 2027 für den Sport eingeplant. Ein Spitzenwert. Doch die Baustellen, teils über Jahrzehnte vernachlässigt, werden vorerst bleiben.

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