„Ich habe Karrieren beeinflusst“

von Redaktion

EHC-Zugang Trevor Carrick über seinen späten Wechsel nach Europa – Gleich zwei Tore

Verteidiger mit Drang zum Abschluss: Trevor Carrick erzielte in der AHL über 100 Tore. © Red Bull/City-Press

München – Zu den Spielern, die den EHC Red Bull München besser machen sollen, zählt Trevor Carrick. Der 32-jährige Kanadier, Offensivverteidiger, dem auch nachgesagt wird, hart spielen zu können, war eines der Schwergewichte der American Hockey League (AHL), der zweithöchsten Profiliga in den USA und Kanada. Er bestritt dort über 800 Spiele. Sein erster Einsatz für München verlief erfolgreich. Am Sonntag steuerte er zwei Treffer zum 5:2-Sieg des EHC in Linz bei.

Trevor, im gesetzten Alter verlassen Sie Nordamerika. Waren Sie überhaupt schon mal in Europa – als Tourist oder so?

Als Kind war ich bei einem Turnier in Finnland und vor zwölf Jahren mit Team Canada beim Spengler Cup in Davos – aber das war alles nicht länger als jeweils eine Woche.

Warum der Wechsel auf unbekanntes Terrain jetzt?

Es ist etwas, das ich immer schon machen wollte nach so langer Zeit in der AHL und mit dem Gefühl, dass man älter wird, aber noch viel Eishockey in sich hat. Unsere Tochter ist eineinhalb, ein zweites Kind bekommen wir im Januar – solange der Nachwuchs nicht in die Schule gehen muss, ist es die richtige Zeit. Es sollte eine interessante Stadt und eine gute Organisation sein. Zum Glück hatte München einen Platz frei.

Und – der erste Eindruck von allem?

Anders als das, was ich kenne – aber auf die bestmögliche Art. Die Stadt ist schön und lebendig, ich mag den Lifestyle, die Trainingsmöglichkeit ist First Class, Kabine, Gym, es gibt alles, was man braucht. Nur…

Nur…?

Die Hitze. Davon war ich wirklich überrascht. Vergleichbar mit Charlotte, wo ich lange gespielt habe – aber hier in Deutschland haben die Wohnungen keine Klimaanlage.

Sie haben es für ein paar Spiele in die NHL geschafft, aber nie dauerhaft. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das war schon frustrierend, vor allem, als ich jung und ein ,higher prospect‘ war. Man merkt, dass das Fenster, um ganz nach oben zu kommen, klein ist.

Sie wurden 2014 von den Carolina Hurricanes in der vierten Runde gedraftet, im März 2016 gab es zwei NHL-Einsätze, einen im Oktober 2017, einen im November 2018, dann noch drei im Oktober 2019 für die San Jose Sharks. Die vielen Tore und Assists im Farmteam in der AHL schienen nichts zu nützen.

Man hält sich immer für bereit, aber braucht viel Glück, den richtigen Coach und jemanden, der in deiner Ecke steht und dein Fürsprecher ist. Es schmerzt, wenn man keine nächste Chance erhält, uund irgendwann ist einem bewusst, dass man keine NHL-Option mehr darstellt. Die AHL ist eine Entwicklungsliga, da bekommen die Jüngeren mehr Eiszeit oder dürfen Powerplay spielen. Die veränderte Rolle, die man als Veteran einnimmt, muss man akzeptieren, das Ego zur Seite schieben. Ich wurde zum Mentor, zur Schulter, an die man sich lehnen kann. Ich bin aber durchaus stolz, dass ich auf die Karrieren anderer Einfluss nehmen konnte. Und auch wenn ich mein ultimatives Ziel NHL nicht dauerhaft realisieren konnte, so bin ich doch glücklich, ein paar Spiele in der NHL bekommen zu haben.

Ihr Ex-Club Carolina gewann im Juni den Stanley Cup. Waren Sie darauf ein bisschen stolz?

Ja, ein wenig. Die Cans haben mich gedraftet, einige Spieler aus meiner Zeit sind jetzt noch dabei. Ich finde das cool.

An ihrem Transfer nach München hat Ryan Murphy mitgewirkt, der seit einem Jahr beim EHC verteidigt.

Ja, wir kennen uns ziemlich gut, haben drei Jahre zusammen bei den Charlotte Checkers gespielt, stammen beide aus Ontario.

Eine empfehlende Expertise zu Ihnen gab auch Matt McIlvane, früherer Assistenzcoach in München und Chef in Salzburg.

Er war mein Trainer bei den San Diego Gulls. Wir hatten eine hervorragende Beziehung. Dass er eine große Geschichte bei Red Bull hatte, wusste ich damals noch nicht. Wir hatten in San Diego nicht den größten Erfolg zusammen, aber er hat junge Spieler beeinflusst. Matt ist jetzt Co-Trainer bei den Boston Bruins geworden, das freut mich für ihn.

Wie erwarten Sie, wird sich Ihr Leben in der DEL ändern?

Die AHL war eine harte Liga mit vielen Spielen und Reisen – das wird hier eine andere Erfahrung. Und wenn man beim DEL-Club ins Trainingslager kommt, dann steht das Team schon. Es ist nicht so wie drüben, dass Spieler rauf- und runtergehen. Die Liga hier ist etwas älter, und viele Spieler hatten eine ähnliche Karriere wie ich.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11