Kein Gold, kein Problem

von Redaktion

Olympiasieger und Weltrekordhalter Märtens zieht viele Lehren aus der EM

Paris – Mit Bronze um den Hals plauderte Lukas Märtens nach der Siegerehrung mit Léon Marchand. Frankreichs Schwimm-Superstar trug genau die Medaille, wegen der der deutsche Olympiasieger eigentlich nach Paris zurückgekehrt war. EM-Gold über „seine“ 400 m Freistil hatte der Weltrekordler und Weltmeister seiner Sammlung hinzufügen wollen – stattdessen hat er jetzt einen großen Konkurrenten mehr, aber auch wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Ob er nun um seinen Weltrekord fürchte, wurde Märtens nach seinem dritten Platz mit fast anderthalb Sekunden Rückstand gefragt. Jetzt, da Marchand, der Vierfach-Olympiasieger und siebenmalige Weltmeister, auch noch diese Strecke entdeckt habe. „Nö“, antwortete Märtens selbstbewusst: „Ich glaube, das waren drei Sekunden, mit denen er drüber war. Ich bin ja auch schon zwölfmal schneller geschwommen.“ Marchands 3:43,14 hatte Märtens in diesem Jahr schon aus dem Training heraus deutlich unterboten – nur eben bei der EM nicht.

Schon auf seiner Nebenstrecke 200 m war der 24-Jährige trotz Silber mit der Mixed- und Bronze mit der Männerstaffel in sechs Rennen im Centre Aquatique Olympique meist deutlich über seiner Bestzeit geblieben. Nach Platz sieben im Einzelfinale hatte er von einem Kopfproblem gesprochen, der „Killerinstinkt“ habe gefehlt.

Dennoch war Märtens nach insgesamt acht EM-Rennen mit vier Endläufen und drei Medaillen „schon stolz“. Zudem sammelte er Erfahrungen für die WM im nächsten Jahr in Budapest. Ob er dann wieder auf die 200 m setzt oder auf die 800 m zurückkehrt, auf denen ihm in Europarekordler und Europameister Johannes Liebmann aus der eigenen Trainingsgruppe der womöglich größte Konkurrent erwachsen ist, wird eine der EM-Lehren sein.

Eine andere: „So eine Atmosphäre habe ich noch nicht erlebt“, sagte Märtens über die ohrenbetäubenden Marchand-Heimspiele am Stade de France, „damit muss man auch lernen umzugehen.“ In Deutschland hätte er auch gerne eine solche Stimmung beim Schwimmen, „bei den deutschen Meisterschaften höre ich meine Familie am lautesten – und das ist traurig.“SID

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