Johannes Liebmann (19) stellte einen neuen Weltrekord auf. © Da Silva/dpa
Helen Kevric (18) glänzte bei der Europameisterschaft mit Gold. © Bat/EPA
Ausnahmeathletin Darja Varfolomeev liefert zuverlässig ab. © Murat/dpa
Der Olympiasieg fehlt ihm noch: Welt- und Europameister Leo Neugebauer könnte in Los Angeles seine Zehnkampf-Karriere krönen. © Memmler/Imago
Ein deutscher Medaillenregen. Egal ob bei der Leichtathletik-Europameisterschaft (6 x Gold, 10 x Silber, 5 x Bronze), der Schwimm-Europameisterschaft (9/11/12) oder der Heim-Weltmeisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik (dreimal Gold und einmal Bronze von Darja Varfolomeev), die Verbände konnten allesamt mehr als zufrieden sein mit der Ausbeute. Auch bei den noch laufenden internationalen Turnieren, der Turn-EM (je einmal Silber und Bronze) und Reit-WM (5/2/5), prasselt Edelmetall in die Bilanz. Doch was bedeuten die Erfolge für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles? Unser Check.
Rhythmische Sportgymnastik: Darja Varfolomeev hat dem Druck der Heim-WM standgehalten. Die nächsten drei Medaillen für die ohnehin schon imposante Sammlung der 19-Jährigen, nur mit den Keulen patzte sie. Auch in Los Angeles werden die Medaillen nur über Dominatorin Varfolomeev gehen. „Ich setzte mir immer bewusst große Ziele“, sagt sie.
Turnen: So schön die Gold-Comeback-Geschichte von Helen Kevric ist, bei den Spielen wird es eher nur Außenseiterchancen für die deutsche Turnriege geben. In Paris gab es 2024 keine einzige Medaille. Die damals 16-jährige Kevric zeigte jedoch mit Platz acht im Mehrkampf und Platz sechs im Stufenbarren, dass ihr die Zukunft gehören kann. Nach der schweren Knieverletzung (“Ich konnte plötzlich nicht mehr laufen und musste es wieder neu lernen“) war der Erfolg bei der Europameisterschaft ein erstes Ausrufezeichen.
Leichtathletik: Für Speerwerfer Julian Weber und Zehnkämpfer Leo Neugebauer wird es bei den Olympischen Spielen härtere Konkurrenz geben, die Europameister zählen aber auch weltweit zur absoluten Elite. Besonders der Wahl-Texaner Neugebauer wird seine nächste Show abliefern, mit 28 Jahren ist er dann im besten Zehnkampf-Alter. Die Überraschungs-Medaillen von Julia Ulbricht oder Nick Thumm (beide Speerwurf) werden sich in L.A. mit den Weiten nicht wiederholen lassen. Malaika Mihambo wird nach der verpatzten EM besonders motiviert für ihre letzten Spiele sein, auch mit den wieder erstarkten Läufern wird zu rechnen sein. Frederik Ruppert (Nr. 2 in der Weltjahresbestenliste) und Karl Bebendorf (Nr. 5/beide 3000 m Hindernis), Robert Farken (Nr. 6/1500 m) oder auch Emil Agyekum (Nr.7/400 m Hürden) können auf Medaillen schielen. Aber: „Man muss die Erfolge feiern und realistisch einschätzen, dass das ab nächstes Jahr ein ganz anderer Markt ist“, sagt Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner mit Blick auf die WM.
Reiten: Zuverlässige Medaillenschmiede. Die deutschen Reiter glänzten in Versailles bei den Paris-Spielen, glänzen aktuell in Aachen bei der WM und werden auch in Kalifornien glänzen. Das Team um die ewige Isabell Werth (57) oder auch Michael Jung (44) mit Chipmunk (“Er kämpft, er galoppiert, ein unglaubliches Pferd“) ist kaum zu schlagen. Auch die nächste Generation um Katharina Hemmer (32) steht schon bereit.
Schwimmen: Erfolgstrainer Bernd Berkhahn hat mit seiner Magdeburger Gruppe den deutschen Schwimmsport zurück in die Weltspitze katapultiert. Nächstes Becken-Juwel ist der 19-jährige Weltrekord-Schwimmer Johannes Liebmann, im Freiwasser dominiert Florian Wellbrock wieder. Doch: Es sei „nur eine EM“ gewesen, sagte Lukas Märtens, „das dient auch zum Lernen“, denn: „Wir haben alle in zwei Jahren ein ganz großes Ziel vor uns.“ Das zeigt den neuen (alten) Anspruch der Schwimmer, Titel bei einer Europameisterschaft sind schön, doch die Magdeburger Medaillenhamster müssen sich auch bei Olympischen Spielen nicht verstecken.