Der „Glubb“ ist doch kein Depp

von Redaktion

Mit Vertrauen in Trainer Klose und treffsicheren Angreifern ist Nürnberg zum Aufstiegskandidaten geworden

Doppelpacker trägt Mitspieler: Piet Scobel und Giannis Masouras. © DANIEL LÖB/DPA

Salto-Akrobat aktuell: Mohamed Ali Zoma, Club-Juwel. © Daniel Marr/Imago

Salto-Vorbild: Miroslav Klose, Weltmeister 2014. © Marcus Brandt/dpa

Nürnberg – Der letzte Salto, den Miroslav Klose geschlagen hat, liegt lange zurück. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, die – das ist hinlänglich bekannt – mit dem vierten Titel für Deutschland endete, erzielte der Angreifer im zweiten Gruppenspiel zwei Minuten nach seiner Einwechslung das 2:2 gegen Ghana. Danach hob der damals 36-Jährige ab – landete aber nicht ganz so sauber wie früher, als er seine Treffer regelmäßig so artistisch bejubelte. Klose merkte damals an, dass er ein bisschen aus der Übung war. Ohnehin hatte er längere Zeit auf einen Salto nach einem Tor verzichtet.

Einer, der seine Treffer ebenfalls mit einem Salto bejubelt, ist Mohamed Ali Zoma. Der 22 Jahre alte Italiener kam im Sommer 2025 für 1,5 Millionen Euro von UC AlbinoLeffe nach Franken. Aktuell liegt sein Marktwert bei acht Millionen Euro. Und es ist durchaus möglich, dass der Angreifer, der beim 3:0-Auftaktsieg gegen Dynamo Dresden alle drei Tore erzielte, den Club noch verlässt. In der vergangenen Spielzeit war er mit 14 Treffern und fünf Vorlagen Topscorer der Nürnberger.

Für den FCN ist es die achte Zweitliga-Saison am Stück. Für Klose hat gerade die dritte Spielzeit als Club-Coach begonnen. Kurz vor ihm schlug Sportvorstand Joti Chatzialexiou in Nürnberg auf, der zuvor Sportlicher Leiter der Nationalmannschaften beim DFB gewesen war. Seitdem gibt es einige Bausteine für die stetige Entwicklung der Nürnberger, die in dieser Saison darin münden könnte, dass der Club ein Aufstiegskandidat ist. Auch der 4:2-Erfolg im Derby gegen Greuther Fürth zeigte, wie offensivstark Nürnbergs Mannschaft ist. Und er brachte dem FCN die Tabellenführung ein.

Chatzialexiou überzeugt jedenfalls mit einem Auge für Transfers. In seinem ersten Sommer wurde Stefanos Tzimas für 26,5 Millionen Euro an Brighton & Hove Albion verkauft. Eigengewächs Can Uzun verließ den Club für 13 Millionen Euro Richtung Frankfurt. Finn Jeltsch, ebenfalls eine Eigenproduktion, spülte 9,5 Millionen Euro aus Stuttgart in die Kasse. Ein Jahr später wurde Casper Jander, ablösefrei aus Duisburg gekommen, für zwölf Millionen Euro nach Southampton verkauft. Für Jens Castrop überwies Mönchengladbach 4,5 Millionen Euro, er hatte zwei Jahre zuvor 900.000 Euro an Köln II gekostet. Zuletzt verließen Luka Lochoshvili (für 4,9 Millionen Euro zu Köln) und Fabio Gruber (für 3,5 Millionen Euro zu Mainz) den Club. Geholt hatte man beide zusammen für 1,7 Millionen. Das alles zeigt: Nürnberg scoutet hervorragend und profitiert von einer guten Ausbildung in der eigenen Jugend.

Zoma könnte nun die nächsten Millionen einbringen. Und mit Mika Schroers, der 21 Treffer in der 3. Liga für Aachen erzielte, steht sein Nachfolger schon bereit. Zudem haben mit Julian Justvan und Piet Scobel zwei weitere Offensivkräfte gegen Fürth zuletzt doppelt getroffen. Scobel (21) holten die Nürnberger vom Eimsbütteler TV aus der Oberliga Hamburg, gaben ihm in der zweiten Mannschaft Spielzeit – nun ist er fester Bestandteil des Zweitligateams.

Scouting, Jugend – und Vertrauen in den Trainer. Das sind die Bausteine des Nürnberger Erfolgs. Denn es ist ganz sicher nicht so, dass unter Klose von Beginn an alles rund lief. Der einstige Top-Stürmer stand mehrfach mit dem Rücken zur Wand. Dass an ihm festgehalten wurde, zahlt sich nun aus.. Der Glubb ist aktuell auf jeden Fall kein Depp. Er steht sich nicht selbst im Weg. Er ist auf dem Weg nach oben.MAXIMILIAN BÜLAU

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