„Ich sehe mein Alter als Vorteil“

von Redaktion

Franz Reindl kandidiert mit 71 ein zweites Mal als Präsident des Eishockey-Weltverbands IIHF

Einer von neun Kandidaten auf den Vorsitz des Eishockey-Weltverbands: Franz Reindl, früherer Präsident des DEB. © Matthias Balk/dpa

München – Am 2. Oktober hält der Eishockey-Weltverband IIHF auf Teneriffa seinen Halbjahreskongress ab. Mit wichtigem Tagesordnungspunkt: Wahl eines neuen Präsidenten als Nachfolger des Franzosen Luc Tardif. Einer der Kandidaten: Franz Reindl (71). Der Garmisch-Partenkirchner über seinen überraschenden zweiten Anlauf.

Herr Reindl, 2021 platzte Ihr Traum, die IIHF zu führen, als Favorit erlebten Sie eine schwere Wahlniederlage. Wollen Sie sich den Traum nun doch noch erfüllen?

2021 war eine wichtige Erfahrung. Ins Council bin ich ja wiedergewählt worden und seitdem speziell in der Event-, Championship- und Athletenarbeit tätig gewesen, habe die IIHF auf intensivste Art kennengelernt. Mir geht es nicht um die große Bühne, sondern um gute Beziehungen der über 80 Mitgliedsverbände untereinander und das Wohl der IIHF.

Neun Kandidaten bewerben sich um die Präsidentschaft – ganz schön viel.

Der eine oder andere wird seine Kandidatur vielleicht zurückziehen oder relativieren. Ich sehe es positiv, dass sich viele bewerben, das ist der demokratische Weg.

Könnte aber auch aufzeigen, dass die Ära Tardif nicht als glanzvoll empfunden wurde.

Wir haben im Council viele Herausforderungen gemeistert, die Covid-Krise sogar richtig gut bewältigt. Es kommen aber viele weitere Herausforderungen auf uns zu. Wir erleben geopolitische Spannungen, wollen die WM-Strukturen stärken, streben Wachstum im Frauen-Eishockey an und müssen im ständigen Dialog mit der NHL stehen, die nach Europa drängt. In letzter Zeit gab es einige Disharmonien in der IIHF-Familie, wir müssen untereinander wieder Einigkeit herstellen.

Ein zentrales Thema ist die Frage des Umgangs mit Russland, das auch 2027 von den großen Turnieren ausgeschlossen bleibt. Die IIHF ist da restriktiver als andere große Sportverbände. Wo stehen Sie in der Russland-Frage?

Was Russland und Belarus betrifft, haben wir klare Regeln und Beschlüsse. Jedes Jahr wird aufs Neue evaluiert. Nicht einer entscheidet, sondern das Council und am Ende die Gesamtheit unserer über 80 Mitgliedsverbände, also der Kongress.

Unter den neun Präsidentschafts-Kandidaten: ein 30-jähriger Kirgise, ein Georgier, ein Belarusse. Man könnte den Eindruck gewinnen, aus dem Hintergrund platziere Russland ihm wohlgesonnene Kandidaten, um seine Rückkehr zu forcieren.

Es ist nicht mein Eindruck, dass das politisch motiviert ist. Ich kenne alle als Eishockey-Leute, und es sind sehr gute Kandidaten für das Präsidentenamt wie auch das Council nominiert.

Mit 71 stehen Sie am oberen Ende der Altersskala.

Mein Alter ist, wie es ist. Ich sehe darin aber einen Vorteil, sonst würde ich’s nicht machen wollen. Ich darf dieses eine Mal antreten, in vier Jahren nicht mehr. Das heißt, ich kann an die Themen mit meiner ganzen Erfahrung neutraler herangehen, muss nicht darauf achten, so zu agieren, dass es die Wiederwahl ermöglicht. Die Themen verlangen eine ruhige Hand, ein Netzwerk und institutionelles Wissen – darüber verfüge ich. Man muss Einigkeit herbeiführen können, das habe auch in meiner Zeit als Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (bis 2022, d. Red.) getan.

Die nächste WM im Mai 2027 findet in Deutschland statt. Erlebt das deutsche Eishockey nicht gerade einen Abwärtstrend?

Die letzten drei Turniere waren nicht das Highlight für uns. Aber eine WM im eigenen Land schafft ganz andere Emotionen und eröffnet ganz andere Dimensionen. 2001 haben wir ein tolles Turnier gespielt, das Jahr davor waren wir noch in der B-Gruppe. 2010 sind wir ins Halbfinale vorgestoßen, nachdem wir 2009 eigentlich abgestiegen und nur dank der Sonderregelung oben geblieben waren. 2017 standen wir im Viertelfinale. .

Sie haben die drei genannten Heim-WMs organisiert. 2010 wurde mit 80.000 Zuschauenden beim Eröffnungsspiel auf Schalke ein Weltrekord aufgestellt.

2027 geht es wieder auf Schalke los, nicht mehr in der ganz großen Dimension (es wurde damals auch der Innenraum bestuhlt, d. Red.), sondern im Fußballformat. 60.000, das wird das neue Organisationskomitee schaffen – und es ist ein Bang, eine WM an einem eigenen Tag zu eröffnen.

Die WM 2026 in Zürich und Fribourg hat die Messlatte aber sehr hoch gelegt.

Brutal hoch. Das war einzigartig, die Begeisterung der Schweizer kannte man so gar nicht. Aber es geht nicht darum, etwas nachzumachen, sondern es selbst in erstklassiger Manier durchzuführen.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

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