Wer schlägt den mexikanischen Stier?

von Redaktion

Del Toro ist der Star der Deutschland Tour – Verband hofft auf mehr Impulse für die Basis

Der große Favorit: Nicht Tadej Pogacar, sondern Kumpel und Teamkollege Isaac Del Toro (rechts). © Venance/AFP

Bad Orb – Die Austragung der Deutschland Tour ist für die kommenden beiden Jahrzehnte gesichert, 2029 soll der Grand Départ der Tour de France nach Berlin kommen – doch an der Basis bröckelt die Substanz. Während Deutschlands einziges namhaftes Etappenrennen einige Stars um den Tour-Dritten Isaac Del Toro lockt, kämpft der deutsche Radsport in der Breite um den Erhalt von diversen Rennen.

Die deutsche Bürokratie, Sicherheitsauflagen und vor allem der Kostenfaktor stellen Organisatoren vor große Herausforderungen – und den deutschen Verband vor ein Dilemma. „Die Durchführung eines Straßenradrennens ist in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden“, sagt der Präsident von German Cycling Bernd Dankowski.

Nach vielerlei Unsicherheiten und einer zehnjährigen Rennpause steht die Deutschland Tour mittlerweile auf einem stabilen Fundament. Die Veranstalter von der A.S.O., die auch die Tour de France ausrichten, belebten die Rundfahrt im Jahr 2018 wieder. Die Partnerschaft mit dem deutschen Verband wurde mittlerweile vorzeitig bis 2050 verlängert.

Das zeige „das gemeinsame Bekenntnis zur Deutschland Tour und zu ihrer langfristigen Entwicklung“, sagt Dankowski. Am Mittwoch stehen im hessischen Bad Orb neun Teams aus der WorldTour zum Auftakt-Prolog am Start, darunter auch UAE Emirates-XRG mit Del Toro und dem Kölner Nils Politt. Die ganz großen Stars wie Weltmeister Tadej Pogacar oder Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel zieht das fünftägige Rennen aber (noch) nicht an.

Die letzte Ausgabe im Vorjahr war ein großer Erfolg, als auch der Hype um Florian Lipowitz große Zuschauermengen an die Straßen lockte. Die Rundfahrt, die in diesem Jahr nach 742,2 km in Heilbronn endet, besitze eine „enorme Strahlkraft“, sagt Dankowski: „Sie ist ein wichtiges Schaufenster für den gesamten Radsport.“

An der Basis hakt es hingegen. Immer mehr Rennen fallen den hohen Auflagen zum Opfer, in den meisten Fällen fehlt es an Geld. Die Thüringen-Rundfahrt der Frauen etwa musste 2024 eingestellt werden, das einst älteste Frauen-Etappenrennen der Welt wurde zwei Jahre später immerhin als Eintages-Event wiederbelebt. Auch einen Veranstalter für die deutschen Meisterschaften zu finden, wird von Jahr zu Jahr schwieriger.

Der Verbandspräsident appelliert deshalb an die Zusammenarbeit mehrerer Parteien. „Ohne attraktive Wettkämpfe wird es deutlich schwieriger, Kinder und Jugendliche dauerhaft für den Radsport zu begeistern“, sagt Dankowski, der Verbände, Veranstalter, Kommunen, Behörden und die Politik in einer gemeinsamen Verantwortung sieht, Rahmenbedingungen zu schaffen, um „auch künftig hochwertige Radrennen in Deutschland auszurichten“.

Einen positiven Effekt erhofft sich Dankowski vom Auftakt der Tour 2029, der in Berlin stattfinden soll. „Unser Ziel ist es, dass von einem Grand Départ nachhaltige Impulse ausgehen“, sagt der 63-Jährige: „Für den Nachwuchs, den Vereins- und Breitensport sowie die Weiterentwicklung des Radsports in Deutschland.“SID

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