„Im Frühjahr sah es eng aus“

von Redaktion

Haching-Präsident Schwabl über die finanzielle Situation des Clubs

Nicht unbedingt ein Fußball-Leckerbissen: Haching und Eltersdorf trennten sich kürzlich 0:0. © IMAGO

Manfred „Manni“ Schwabl ist seit Juni 2012 Präsident der SpVgg Unterhaching. © Leifer/Imago

Diese Saison der SpVgg Unterhaching hat Manni Schwabl (60) als Konsolidierungsjahr ausgerufen. Der Verein soll wirtschaftlich und strukturell wieder auf stabilen Beinen stehen, ehe ein erneuter Angriff Richtung 3. Liga unternommen wird. Doch zuletzt blieben die Gehaltszahlungen für einige Mitarbeiter aus. Präsident Schwabl bezieht im Interview mit unserer Zeitung offen Stellung und erklärt die Situation des Vereins.

Herr Schwabl, einige Mitarbeiter der SpVgg Unterhaching haben länger kein Gehalt bekommen, teilweise die Arbeit pausiert. Wie kam es dazu?

Generell ist es so, dass man unterhalb der 2. Bundesliga ständig kämpft. Wir sind oft schon mal ein bisschen hinterhergehangen, haben es dann aber wieder aufgeholt. Wir sind auch auf pünktliche Zahlungen von Partnern angewiesen, mit denen wir Verträge haben. Das ist wichtig für die Einordnung, wir sind keine Harakiri-Abteilung. In diesen Ligen hast du halt keine Rücklagen, da wird es dann schwierig, wenn Zahlungen verspätet kommen. Nach dem Abstieg müssen wir personell abbauen, insbesondere in der Verwaltung. Ich habe immer gesagt, dass wir aber nicht beim NLZ sparen wollen. Das können wir auch gar nicht, sonst sind wir kein lizenziertes NLZ des DFB mehr. Da haben wir dieselben Vorgaben wie ein Bundesligist. Wir schauen, dass wir die ausstehenden Zahlungen jetzt nach und nach leisten. Ich denke, dass wir alles in vier bis sechs Wochen aufgeholt haben.

Sicher werden Sie Verständnis dafür haben, dass es Mitarbeiter zerknirscht zurücklässt, wenn das Gehalt länger ausbleibt.

Absolut. Man kennt sich ja seit Jahren. Ich habe volles Verständnis für ihre Situation, andererseits kämpft der Verein auch ständig um Lösungen. Es ist auch nicht so, dass man nicht miteinander redet. Ein Mitarbeiter, der die Arbeit pausiert hat, kommt beispielsweise morgen mit zwei, drei neuen Ideen zu mir.

Sie haben einmal gesagt: Die 3. Liga ist eine Wüste, die Regionalliga eine Oberwüste. Wie kann die Pflanze Unterhaching da überleben?

Wir sind schon auf Transfererlöse angewiesen. Wenn es Sinn macht, wollen wir natürlich wieder aufsteigen, sodass wir an den Fördertopf rankommen und höhere Transfererlöse erzielen können. Aber: Die 3. Liga hat sportlich so aufgeholt, das durchschnittliche Alter liegt mittlerweile bei knapp 27 Jahren. Da läufst du natürlich dann Gefahr, dass du mit einer jungen Mannschaft sofort wieder absteigst. Aber den Gang nach Canossa, dieses Risiko, dass wir eventuell eine Fahrtstuhlmannschaft zwischen der 3. Liga und Regionalliga sind, müssen wir dann eingehen. Die Wirtschaftlichkeit muss immer über allem stehen, auch den Mitarbeitern gegenüber. Deshalb müssen wir bewerten, in welcher Liga es für uns Sinn macht. Im Fußball werden ganz oben immer mehr Gelder reingeschossen, aber unten bricht der Mittelstand weg.

Würde es die wirtschaftliche Liga entspannen, den Kostenapparat NLZ runterzufahren? Auch mit der Gefahr, dann kein lizenziertes NLZ mehr zu sein.

Kurzfristig ja. Man spart rund eine Millionen Euro. Du nimmst dir aber die Chance, Transfererlöse zu erzielen, da du keine Verträge mehr mit 15- oder 16-jährigen Spielern abschließen kannst. Einen Karim Adeyemi oder Maurice Krattenmacher gäbe es dann nicht mehr. Dann würde unsere Haupteinnahmequelle der letzten Jahre wegfallen. Also geht man ins Risiko, in Vorleistung, in der Hoffnung, dass wieder ein großer Transfer kommt. Wenn solche Transfers ausbleiben, entstehen solche Situation wie in der Vergangenheit. Jetzt haben wir den Turnaround wieder geschafft, im Frühjahr sah es echt eng aus, da mussten wir kreativ sein. Wir haben rechtsverbindliche Verträge und wissen, wann Geld reinkommt, damit können wir planen. Das stimmt mich optimistisch, es ist aber ein ständiger Prozess. Wir müssen jetzt schon wieder schauen, wo wir für nächstes Jahr ansetzen müssen. Fußball ist ja auch ein sehr emotionales Geschäft. Das hat mir der Uli Hoeneß damals immer schon gesagt: Die Stimmung im Fußball hängt immer von Samstag Nachmittag ab.

Sie haben die Saison als Konsolidierungsjahr ausgerufen. Den Verein wirtschaftlich wieder auf ein stabiles Fundament stellen. In welcher Phase steht Haching da aktuell?

Jetzt sind wir hoffentlich aus dem Keller raus und an der Decke im Erdgeschoss. Ich hätte auch gedacht, dass es viel schneller geht. Man muss fairerweise sagen, dass ich schon oft einen Drei- bis Fünfjahresplan rausgegeben habe. Es kamen aber viele Themen, mit denen man einfach nicht planen konnte. Es gibt zu viele Unsicherheiten am Markt, das betrifft nicht nur uns. Also jetzt keine großen Sprüche, sondern einfach die Hausaufgaben machen und bodenständig bleiben.

Wie schätzen Sie die sportliche Lage aktuell ein?

Es ist ein bisschen wie eine Casting-Show momentan. Wir wollen jetzt schon ein wenig den Fokus auf die nächste Saison legen. Nächstes Jahr steigt der Erstplatzierte in der Regionalliga Bayern auf, da wollen wir oben mitmischen. Jetzt schmeißen wir also schon junge Spieler rein, die uns in der kommenden Spielzeit hoffentlich umso mehr helfen können.

IV.: NICO-MARIUS SCHMITZ

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