Die 110-Millionen-Wende

von Redaktion

Dortmund will wieder mal die Bayern kitzeln – nun mit neuer Transferstrategie

Der Architekt: Ole Book. © dpa

Jetzt in einem Team: Joey Veerman ist von Eindhoven nach Dortmund gewechselt und trifft dort auf Abwehrchef Nico Schlotterbeck. © Gambarini/dpa

Giannis Konstantelias (l.) kam für 30 Millionen Euro. © EPA

Dortmund – Es ist nur der Supercup – und selbst das nicht so richtig. Das erste Saison-Titelchen soll eigentlich zwischen Meister und Pokalsieger ausgespielt werden, was witzlos ist, wenn doch der FC Bayern Meister UND Pokalsieger ist. Aber da Borussia Dortmund am Samstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) als Bundesliga-Zweiter nun mal dabei sein darf, nimmt der ewige Herausforderer die Gelegenheit gerne wahr: Der BVB testet seine neue Transferstrategie zu Hause am stärksten Gegner.

Ole Book hatte in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun – im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder stand der neue BVB-Sportdirektor auf Präsentationsfotos links neben einem lächelnden Hoffnungsträger, im Hintergrund das alte Bild der Vereinsgründer, Lars Ricken positionierte sich rechts, und gemeinsam hielten alle drei das schwarzgelbe Trikot hoch. Wieder ein Transfer im Sack.

Book, der bei der SV Elversberg in der vergangenen Saison noch im Hunderttausender-Bereich unterwegs war, holte Konstantinos Karetsas (KRC Genk) für mehr als 30 Millionen Euro, er verpflichtete dessen griechischen Landsmann Giannis Konstantelias (PAOK Saloniki) für 30 Millionen, und am Dienstag legte er noch 20 Millionen für den Niederländer Joey Veerman von der PSV Eindhoven nach.

„Wir gehen von fünfzig Pflichtspielen aus, einer enormen Belastung, auch noch davon, dass fast ausschließlich Nationalspieler im Team sind“, sagte Book, der nach der Absage an Said El Mala und den 1. FC Köln geradlinig und zügig seinen Plan B umsetzte. Der Kader soll optimal besetzt sein – und neuerdings auch wieder: jung. 110 Millionen Euro hat der BVB im Sommer ausgegeben, für sechs Spieler. Vier davon sind 19 oder jünger, nur Veerman (27) ist älter als 23. Zum Vergleich: 110 Millionen investierten auch die Bayern – in Ismael Saibari (PSV) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt/je 55).

Der BVB kehrt also zurück zu einer Transferpolitik, von der er sich einst einigermaßen genervt abgewandt hatte. Weg von den „fertigen“ Spielern, die das Gehaltsbudget belasten, hin zu überaus talentierten Jungprofis, die in Dortmund hoch hinaus wollen. Das Ziel wird sein, die Stars von morgen zu entwickeln, aber auch zu halten. Und dabei erheblich attraktiveren Fußball zu bieten als in der zähen Vorsaison.

„Wenn wir es schaffen, noch mehr Kreativität und offensive Durchschlagskraft hinzuzugewinnen, dann können wir noch stärker werden“, sagt Book. Die beste Abwehr der Liga (34 Gegentore) hatte der BVB ohnehin schon, den Fans aber fehlte das Spektakel. Spieler wie Karetsas, der hervorragende Ansätze in den Tests zeigte, sollen es zurückbringen.

Parallel arbeitete Book daran, die Gehaltskosten einzudämmen. Großverdiener wie Niklas Süle (Karriereende), Julian Brandt (Ajax Amsterdam) oder Karim Adeyemi (FC Barcelona) haben den Verein verlassen – dadurch konnte der BVB auf dem Markt größer rangehen, obwohl sich die Transfereinnahmen mit insgesamt knapp 40 Millionen Euro in Grenzen hielten.

„Es ist nicht der große Umbruch, den vielleicht viele zu verschiedenen Zeiten mal befürchtet hatten“, sagt Book. „Wir haben sehr, sehr viele Leistungsträger und Topspieler behalten, dazu haben wir einige spannende Neuzugänge geholt.“ Am Samstag stehen sie dann erstmals auf dem Prüfstand. SID

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