ZUM TAGE

Ein kurioses, aber smartes Bündnis

von Redaktion

Der FC Bayern und die NHL

Wenn die NHL nach Deutschland kommt, ist der Erfolg beim Publikum garantiert. Es gibt einige ikonische Clubs unter den 32, die in Kanada und den USA um den Stanley Cup spielen. Und aus dem deutschen Eishockey sind Akteure hervorgegangen, die drüben zu den Besten gehören. Wird ein NHL-Gastspiel angekündigt wie für Dezember 2026 mit Tim Stützle in Düsseldorf, ist es in weniger als einer Stunde ausverkauft. Man wird sehen: Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers in Köln, John-Jason Peterka mit seinen Boston Bruins in München, was nun für 2027 angekündigt wurde – Tickets wird es nicht lange geben.

So gesehen bräuchte die National Hockey League hierzulande gar keinen Partner, der die Aufmerksamkeit noch erhöht. Dass sie trotzdem ein Marketing-Bündnis mit dem FC Bayern eingeht, ist ein smarter Move. Denn wenn eine Sportart und eine sie vertretende Liga wachsen wollen, müssen sie über ihre Kernklientel hinaus bekannt werden und ihre Nische verlassen. Leon Draisaitl etwa ist der mit Abstand beste deutsche Mannschaftssportler – doch selbst in Köln würde eher der junge Fußballer Said El Mala einen Massenauflauf auslösen als der Eishockeystar, dessen Gesicht, wenn es im Fernsehen gezeigt wird, hinter einem Visier verborgen ist.

Doch was hat der FC Bayern von dieser Geschichte? Auf den ersten Blick mag es gönnerhaft wirken, dass er mit einer kleineren Sportart kooperiert – doch womöglich ist er für den deutschen Fußballkrösus noch gewinnbringender als für die Gegenseite: Kanada, das Land, aus dem Alphonso Davies stammt und in dem jetzt Thomas Müller kickt, ist noch relativ unerschlossen durch den Weltfußball. Der FC Bayern wird seine Chancen dort schon analysiert haben. Drüben ist die NHL der größere Partner.

Natürlich wird der FC Bayern seine Fans nicht mit der Botschaft „Schaut NHL“ zuballern; im Alltag wird die Kooperation ein Gelegenheitsthema sein wie die mit der NFL. Den Älteren wird aber vielleicht sogar nostalgisch zumute angesichts des Eishockey-Engagements der Bayern. Von 1966 bis 69 betrieben sie eine Abteilung dafür, spielten sogar Bundesliga – ehe sie die Sparte, da zu teuer, an den Augsburger EV verscherbelten. Andere Zeiten.

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