Eishockey meets Fußball: JJ Peterka, Alphonso Davies und Leon Draisaitl (v.l.). © Günter Klein
Neues Bündnis besiegelt: Rouven Kasper (l.) vom FC Bayern und Bill Daly, stellvertretender Commissioner der NHL (mit Stanley-Cup-Imitat). © Günter Klein
München – Die NHL, die mythische nordamerikanische Eishockey-Liga, macht jetzt ernst mit ihrem Anlauf auf Deutschland. Gelegentlich entsandte sie schon eines ihrer Teams, um zur Show gegen einen Club der DEL zu spielen, zuletzt waren 2024 die Buffalo Sabres da, um der Eröffnung der Münchner SAP-Arena Glanz zu verleihen. Der gebürtige Münchner John-Jason Peterka spielte damals für die Sabres, diesen Sommer wechselte er zu den Boston Bruins – und mit denen wird er 2027 erneut in seine Stadt kommen. Dann aber im Rahmen von zwei regulären NHL-Partien. Sprich: Boston bringt einen Gegner mit – und auch in Köln wird die NHL vorstellig: Superstar Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers gegen einen noch zu bestimmenden Gegner aus ihrer Liga. Und nicht zu vergessen: Schon im kommenden Dezember gibt‘s zweimal Ottawa Senators gegen Chicago Blackhawks in Düsseldorf.
NHL-Spiele auf deutschem Eis und gleich in dieser relativ geballten Form – die NHL zündet die nächste Vermarktungsstufe. Das stand schon länger im Raum, doch überraschend ist, dass die Liga sich einen Partner ins Boot holt: den größten im deutschen Sport, den FC Bayern München. Am Donnerstag wurde die „Cross-Promotion“ vorgestellt, wie Bill Daly, Vizechef der NHL, sie nennt. Bayern-Spieler Alphonso Davies, der in Edmonton aufgewachsen ist, drehte mit den deutschen Eishockey-Stars Draisaitl und Peterka schon erste Werbespots.
Für den FC Bayern ist es die zweite Partnerschaft mit einer Liga von drüben. Die mit der National Football League (NFL) geht bereits so weit, dass NFL-Partien in der Allianz Arena steigen. Die beiden NHL-Spiele 2027 werden im SAP Garden stattfinden – doch ist irgendwann auch das Bayern-Stadion als Spielstätte denkbar? Rouven Kasper, Vorstand Marketing und Vertrieb, sagt, dass beim FC Bayern ja grundsätzlich nichts unmöglich sei. Daher: „Wir fangen in den Hallen an, doch die Vision von der Arena kann man ganz gut haben.“ Bill Daly versprüht die Zuversicht, „dass der Himmel die Grenze ist“. JJ Peterka fände es cool, „mal open air zu spielen“. Aber das ist noch weit weg.
Vorerst geht es um den Austausch der Aufmerksamkeit der jeweiligen Fan-Communitys. Für die NHL ist es ein Gewinn, dass sie durch die Bayern mehr Sichtbarkeit bekommt (Leon Draisaitl: „Ein Riesenzeichen für Deutschland“) – doch auch dem Münchner Groß-Club eröffnet sich eine Perspektive auf Zuwachs. Es geht gar nicht so sehr um den US-Markt, auf dem der FC Bayern schon recht präsent ist. „Kanada ist interessant“, sagt Rouven Kasper, „da ist die Premier League nicht so stark, auch nicht die spanische Liga“. Es sei noch Raum für die Bayern. Sechs der 32 NHL-Clubs sind in Kanada beheimatet, wo Eishockey der Sport Nummer eins ist. Also können Draisaitl und die Edmonton Oilers den Ambitionen der Bayern dienlich sein. Und natürlich sorgt der kanadische Fußballer Alphonso Davies für verstärkte Wahrnehmung.
Fußball und Eishockey, sie sind ein bisschen verwandt. Eishockeyteams wärmen sich auch in der NHL mit Ballhochhalten auf, „die europäischen Spieler besser als die kanadischen und amerikanischen“ (Peterka). Leon Draisaitl glaubt, dass „durch die WM, die wir gerade hatten“, das Interesse am Fußball steigt.
Alphonso Davies gefiel, wenn er Eishockey in Edmonton schaute, „die Fights“. Wenn er sich einen Bayern-Kollegen als Eishockeycrack vorstellen könnte, dann Joshua Kimmich: „Wegen seines Ehrgeizes. Und ich würde ihn gerne mal auf Schlittschuhen sehen.“ Vielleicht ergibt sich was 2027.GÜNTER KLEIN