München – Das Stahlbad Männer-Bundesliga hat Marie-Louise Eta abgehärtet. Ihre Zeit als Interimstrainerin von Union Berlin, in der die 35-Jährige als Pionierin Fußball-Geschichte schrieb, sei „geprägt von maximalem Druck und vielen äußeren Einflüssen“ gewesen. Zwar ist es nun wieder ruhiger um sie, jedoch kann Eta von all den Erlebnissen für ihren neuen Job beim Frauenteam zehren.
Besonders in lauten Phasen wie zu Beginn ihrer Mission bei den Männern im April sei es „wichtig, gut im Team zusammenzuarbeiten, bei sich zu bleiben und klar zu handeln. Deshalb kann ich viele Erfahrungen und Momente, sowohl auf als auch neben dem Platz in meine jetzige Aufgabe übertragen“, verriet Eta dem kicker, bevor am Freitag (18.20 Uhr/ZDF, MagentaTV und DAZN) beim Bundesliga-Auftakt gegen Meister Bayern München ihr Debüt ansteht: „Wir wollen die Bayern mit vielen Fans im Rücken ärgern. Wir freuen uns, dass es losgeht. Es ist schon eine Auszeichnung, dass wir mit in die Bundesliga starten dürfen. Wir wissen, was für eine Qualität da auf uns zukommt.“
Die sechs Wochen, in denen Eta als erste Cheftrainerin bei den Männern den Klassenerhalt sicherte und gar internationale Medien ihretwegen in die Alte Försterei strömten, wirken länger her, als sie es eigentlich sind. Danach war Eta eine gefragte Frau, erhielt zahlreiche Interviewanfragen und Einladungen zu Veranstaltungen. „Es war ungewohnt, plötzlich auf dem roten Teppich mit Blitzlichtgewitter zu stehen. Ich habe danach nie gestrebt“, sagte sie dem Tagesspiegel.
Dementsprechend ging es erst einmal in den wohlverdienten Urlaub mit ihrem Mann. Dort spielte sie gerne Padel, ging wakeboarden oder spazierte einfach am Strand entlang. Weit weg von all dem Trubel, den sie auch schnell abhaken konnte. Sie schaue, so Eta, „nie zu lange zurück, weil ich in jedem Moment versuche, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Und so ging der Blick auch dieses Mal schnell wieder nach vorn.“ Immerhin wartete eine große Aufgabe auf sie.
„Wir wollen uns auf jeden Fall verbessern. Wir müssen jetzt auch nicht zu tief stapeln“, sagte sie mit Blick auf ein mögliches Saisonziel, lenkte jedoch sofort ein: „Ich finde, es ist noch zu früh, über irgendeine Platzierung zu reden – und schon gar nicht über Champions League.“ Neuverpflichtungen wie die beiden Nationalspielerinnen Lisanne Gräwe und Jella Veit von Eintracht Frankfurt sprechen dennoch eine deutliche Sprache.
Union möchte unter Eta angreifen, wie sie auch selbst durchblicken ließ. Sie wolle, sagte Eta, „mit dem Verein einfach die nächsten Schritte gehen, dass wir dann einfach auch ins obere Drittel der Tabelle aufrutschen und angreifen“. Vielleicht schon gegen die Bayern um Starspielerin Klara Bühl? „Wir wollen es ihnen“, sagte Eta, „so schwer wie möglich machen, an unser Limit kommen und gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen.“ Das ist im Fußball, egal ob bei den Männern oder Frauen, eben immer gleich.
Entsprechend gewarnt ist José Barcala, Chefcoach der Fußballerinnen des FC Bayern. Jedes Team in der Bundesliga könne dafür sorgen, „dass du einen schlechten Tag hast“, so der Spanier. Die „Challenge“ für eine erfolgreiche Titelverteidigung sei es, „immer wieder drei Punkte zu holen und den Rhythmus beizubehalten“.
Ein Selbstläufer wird der Weg zur fünften Meisterschaft in Folge laut Barcala nicht. Vizemeister VfL Wolfsburg habe gezeigt, „dass sie konstant spielen können“, auch andere Klubs hätten investiert. „Alle Teams können dir auf dem Weg Punkte abnehmen“, warnte der Bayern-Coach. So auch der Auftaktgegner Union Berlin, den Barcala als einen der Kandidaten auf einen Platz unter den besten fünf Teams nannte.SID