Georg Grozer mit seinen Töchtern Loreen und Leana (re.)
Istanbul – Da jagte Volleyball-Hoffnungsträgerin Leana Grozer ihrem Vater Georg einen kleinen Schrecken ein. Wegen einer verlorenen Wette wolle sich die 19-Jährige kurz vor der EM eine Glatze rasieren, warnte ihn ihre Mannschaftskollegin Hanna Orthmann am Telefon – und bat ihn, das zu verhindern. „Du weißt, dass ich alles Verrückte mit dir mitmache, aber bitte rasier‘ deinen Kopf nicht“, sagte der deutsche Ausnahmespieler inständig über das Telefon, wie in einem Video bei Instagram zu sehen ist.
Die Tochter konnte vor Lachen kaum noch an sich halten und löste den Streich kurz danach auf. Die Haare der 19-Jährigen bleiben dran und der Papa ist beruhigt. Die Stimmung ist kurz vor der EM in der Türkei, Schweden, Tschechien und Aserbaidschan offensichtlich gut. Das deutsche Team startet am Samstag (15.00 Uhr) in Istanbul gegen Slowenien in das Turnier. „Ich freue mich sehr, es wird meine erste EM sein bei den Frauen“, sagt Grozer.
Die 19-Jährige, die als größtes Talent in Deutschland gilt, hat kein einfaches Jahr hinter sich. Die WM im vergangenen Sommer verpasste sie wegen einer Verletzung und zwei üblen Lebensmittelvergiftungen, wegen der sie sogar ins Krankenhaus musste. Auch in den Monaten danach warfen gesundheitliche Probleme Grozer immer wieder zurück.
„Es hat mich schon ganz schön runtergehauen“, sagt sie. „Ich hatte immer mit meinem Körper ein bisschen zu kämpfen. Mental war es dann auch natürlich schwer, weil es keine einfache Saison war und ich sie mir komplett anders vorgestellt habe.“ Die Verletzungen seien jetzt gut unter Kontrolle, doch sie müsse immer noch auf die Signale des Körpers achten. „Manchmal müssen die Trainer mich auch ein bisschen bremsen, weil ich einfach super ehrgeizig bin und am liebsten alles machen will“, sagt Grozer.
Ihre Spielanteile im Nationalteam sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Welche Rolle sie für sich bei der EM sieht? „Jetzt im dritten Jahr, wo ich auch viel spiele und dem Team auch dort viel geben kann, ist es auf jeden Fall eine Führungsperson zu sein.“ Wie ihr Vater kann die 19-Jährige auch in Drucksituation eine emotionale Anführerin sein.
Das deutsche Team hat die Turnier-Mitfavoriten Türkei und Polen in der Gruppe. Viel wird von den drei ersten Gruppenspielen gegen Slowenien, Ungarn und Lettland abhängen. Danach muss die DVV-Auswahl dann zeigen, ob sie gegen die Allerbesten auch in entscheidenden Spielen gewinnen kann. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir auf diesem Niveau mithalten können“, sagt Bundestrainer Giulio Bregoli.DPA