Begehrt: Florian Lipowitz. © Ochoa/dpa
Andy Schleck, einstiger Toursieger. © IMAGO
Der Luxemburger Andy Schleck (41) gewann 2010 die Tour de France und dort insgesamt drei Etappen. 2009 siegte er bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. Seit Ende 2025 ist er beim deutschen Team Lidl-Trek engagiert, dessen Leitung er Ende Juli 2026 übernommen hat. Sein Bruder Fränk Schleck führt das Frauenteam des Sponsors.
Herr Schleck, wie gehen Sie Ihren Job an?
Ich stehe zu 100 Prozent für Teamwork. Jedes Mitglied des Teams ist für mich wichtig. Wenn ein Teil nicht funktioniert, spürt das das gesamte Team. Radsport ist meine Religion. Ich schlafe mit Gedanken daran ein und wache mit Gedanken daran auf.
Was möchten Sie konkret erreichen?
Wir wollen bei Männern und Frauen ein Monument gewinnen. Und auch das Gelbe Trikot bei der Tour de France gewinnen, ebenfalls bei den Männern und bei den Frauen. Das ist unser Nordstern-Projekt. Außerdem wollen wir Platz eins der Weltrangliste erreichen. Das ist viel, das ist ambitioniert, doch ich bin davon überzeugt, dass wir die Fahrerinnen und Fahrer haben, die diese Ziele erreichen können.
Bei der Tour de France belegten Ihre Topfahrer Mattias Skjelmose und Juan Ayuso die Ränge sechs und sieben in der Gesamtwertung. Stellt Sie das zufrieden?
Tadej Pogacar ist derzeit unantastbar. Wir wollten aufs Podium kommen. Juan hat bei dieser Tour aufgezeigt bekommen, wo derzeit seine Grenzen liegen. Aber er besitzt großes Potenzial und kann leistungsmäßig noch wachsen. Mattias Skjelmose ist überragend gefahren. Ich sehe ihn eigentlich jeden Tag besser werden. Es liegt nun an uns, diese Talente weiter zu fördern.
Sie betonen, dass Ihnen die Nation eines Fahrers egal ist. Aber als deutsches Team sondieren Sie auch den deutschen Markt. Da ist derzeit Florian Lipowitz die Nummer eins. Fährt er bald für Lidl-Trek?
Wir sagen nie nein. Ob das nun Florian Lipowitz oder Jonas Vingegaard ist: Wir schauen, dass wir die unserer Meinung nach besten Fahrer verpflichten können. Florian Lipowitz hat einen Vertrag bei Red Bull, das respektieren wir. Aber für die Zukunft sagen wir nicht nein. Interesse an einem Fahrer, der das Podium der Tour erreicht hat und wieder erreichen kann, ist immer da.
Als Neuzugang bei den Frauen wird die Polin Kasia Niewiadoma gehandelt, die 2024 die Tour gewann und sie dieses Jahr als Zweite beendete. Kommt sie zu Lidl-Trek?
Auch dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.
Beim Staff haben Sie schon zugeschlagen: Dan Lorang wird Head of Performance. Und Grischa Niermann, jahrelang erfolgreich bei Visma-Lease a Bike, kommt als Sportchef.
Dan Lorang hatte bisher überall großen Erfolg. Er ist einer der weltbesten Trainer für den Radsport. Grischa Niermanns Verpflichtung war in der Tat ein großer Coup für uns. Er hat die Strukturen bei Visma-Lease a Bike geprägt und Jonas Vingegaard zu einem Toursieger geformt. Er ist einer der besten Erfolgsarchitekten des Pelotons. Wir haben uns zudem mit Holger Broich für den Fitnessbereich verstärkt, der zuvor beim FC Bayern aktiv war.
INTERVIEW: STEPHAN KLEMM