Mein Auto, mein Boot? Meine Arena!

von Redaktion

NHL-Star JJ Peterka verwirklichte daheim den Traum von seiner eigenen kleinen Eishalle

Neues Trainingsgerät: Ikarus, ausprobiert von JJ.

Mit Eismaschine „Pinguino“: JJ und Vater Dennis.

Der Hausherr: JJ Peterka auf der Tribüne seiner Halle in Buchbach. Ein Familienprojekt: Die Eltern, Bruder Jack und Schwester Tiffany helfen mit. © Fotos: Günter Klein

Buchbach – Alles ist kleiner, aber es fehlt an nichts. Oder doch? Es gibt keine Strafbänke.

JJ Peterka lacht: „Wir spielen kein Foul. Und wenn doch, schießen wir Penalty.“

John-Jason „JJ“ Peterka, 24 Jahre alt, ist der Hausherr hier. Er steht in der „Peterka Arena“, seiner Eishalle. Gibt es das sonst noch, dass ein Eishockeyspieler eine Halle besitzt? „Nicht dass ich wüsste“, sagt er.

Zuletzt bei den Utah Mammoth und künftig den berühmten Boston Bruins in der National Hockey League verdient er pro Saison 7,7 Millionen US-Dollar. Andere fahren davon ihr Protz-Programm „Mein Auto, mein Haus, mein Boot“. Bei JJ Peterka jedoch heißt es: „Meine Eishalle.“ Und nicht zum Angeben. Sondern damit er besser trainieren kann. Und nicht nur er.

Die Geschichte ist diese: Eishockey ist längst kein saisonaler Sport mehr. „Ab Ende Mai geht man wieder aufs Eis“, so Peterka, „viermal die Woche.“ Während des NHL-Spielbetriebs von Ende September bis in den April hinein „gibt es fast kein Training, oft sind es nur 20 Minuten“. Es wird gespielt (84 Mal), gereist über den gesamten nordamerikanischen Kontinent. „Die Skills“, erklärt Peterka, „kann ich nur im Sommer verbessern“: Laufen, der Umgang mit der Scheibe, Schießen, Reagieren, Situationen erkennen.

Kanada hat reichlich Eishallen, auch im Sommer. Aber wenn die Saison vorbei ist, dann fährt JJ Peterka, der gebürtige Münchner, nach Hause zu den Eltern in Buchbach im Landkreis Mühldorf am Inn. Im August war er zwar auch bei Camps in Schweden („Organisiert von Rasmus Dahlin, meinem ehemaligen Mitspieler in Buffalo – zugelassen sind nur NHL-Spieler“) und der Schweiz, doch eben auch in Buchbach, in seiner Halle. Ansonsten gäbe es Ganzjahreseis in Deutschland nur in Köln, im Münchner SAP Garden, in Oberstdorf (für Eiskunstlauf) und Inzell (wegen des Eisschnelllaufs). Und nun eben auch in Buchbach. Adresse: Gewerbestraße 1. Zuvor war hier eine Schreinerei.

Als hochbegabtes Kind war Peterka von seinen Eltern immer von Kirchheim bei München nach Bad Tölz gefahren worden, weil dort die beste Nachwuchsabteilung war. In den Sommerferien ging es nach Tschechien. Von Tölz wechselte JJ in die Red-Bull-Akademie, mit 17 wurde er DEL-Profi beim EHC München, mit 19 NHL-Spieler. Lange schon trug er diese Idee in sich: eine Halle für sich zu haben. Dennis und Nathalie Peterka, die Eltern, fanden das gut – „wenn wir mal in Rente sind“. Diese Zeit ließ ihnen ihr ältester Sohn (Jack, der jüngere, spielt auch) nicht. Er trieb sie an – mit genauen Vorstellungen, wie alles werden solle. „Es brauchte seine Leidenschaft“, so Dennis Peterka. Diesen Sommer war Eröffnung – wobei die Endausbaustufe noch nicht erreicht ist.

Die Peterkas haben kein großes Stadion mit 60 mal 30 Metern hingestellt. Die Eisfläche misst ein Drittel. „Aber Skills trainieren kann man auch auf wenig Platz“, sagt JJ. Die Peterka Arena lässt sich mit einem Tiny House vergleichen. Ist nicht raumgreifend, aber hat auf wundersame Weise alles (eben bis auf die Strafbänke).

„Die Maße hat das Gebäude vorgegeben, das wir übernommen haben“, so Nathalie Peterka über die ehemalige Schreinerei. Wie komplex der Umbau war, lässt sich erahnen, wenn Dennis Peterka die Technik erklärt und durch die Räume führt. Es wurde viel Photovoltaik verbaut, es mussten spezielle Tore angefertigt werden, die nicht so tief sein durften, damit hinter ihnen noch Platz für Zweikämpfe ist. In den Funktionsräumen gibt es einen Skills Parcours, es wurde ein „Ikarus“ angeschafft, das Neueste von Neuem, ein Gerät, bei dem die Core-Muskulatur trainiert wird und nebenzu das Gleichgewichtsgefühl. Es gibt ein Café, es werden drei Physiotherapeuten in der Arena arbeiten.

Vor allem ist die Halle ein Familienbetrieb. Nathalie und Dennis haben gelernt, das Eis aufzubereiten. Spontan meldete sich, als er vom Bau der Arena erfuhr, der verrentete Eismeister des Dorfener Stadions – doch die Zamboni fahren die Peterkas selbst. Wobei: Auch hier brauchte es eine kreative Lösung, weil eine klassische Zamboni zu groß „und bei der Fahrt aus der Garage der Kopf weg wäre“ (Dennis): Nun steht bei Peterkas die kleinste lieferbare Eismaschine. Sie heißt „Pinguino“ und läuft mit Strom.

Der Betrieb ist angelaufen. „Für kommenden Sommer sind die Wochenenden schon ausgebucht, manche Stunde könnte ich fünffach vergeben“, sagt Nathalie Peterka. Es kommen Nachwuchsspieler, Hobbymannschaften, es geht durch alle Ligen. Und es waren auch Profis da. An den Donnerstagen wurde um den JJ Cup gespielt. Da ging es zur Sache mit Nationalspielern wie Florian Bugl, Filip Varejcka (Straubing), Tobias Ancicka, Alexander Blank (Augsburg) und aus der AHL den Ex-Münchnern Julian Lutz und Maksymilian Szuber. Es könnten auch große Namen aus der NHL kommen. Es ist nicht unüblich, dass die Superstars in Europa Urlaub machen und gerne eine Trainingseinheit einlegen. Die Peterkas können diese Anonymität bieten. „Dann sperren wir halt mal ab, wenn einer in Ruhe arbeiten will“, sagt Vater Dennis.

In einem Land, in dem Sportstätten marode sind und schließen, setzt das Peterka-Projekt einen Gegenpunkt. Noch ist es in der Anschubfinanzierung, doch irgendwann soll es sich rechnen. Es hat allerdings auch einen ideellen Aspekt. „Vielleicht wird es eine Nachwuchsschmiede“, hofft Dennis Peterka. Auf alle Fälle sei es etwas, das überdauert: „Ein Lebenswerk.“ JJ wird im September nach Boston fliegen und nächsten Sommer nach Buchbach zurückkehren. In seine dann weiter ausgebaute Halle, für die sein Vater verspricht: „Wir tauen hier niemals ab.“GÜNTER KLEIN

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