Oben ohne auf dem Fahrrad?

von Redaktion

Seit Jahren trage ich beim Skifahren einen Helm und habe damit überhaupt kein Problem. Die Ohren bleiben warm, die Skibrille verrutscht nicht, auf den meisten Pisten herrscht ohnehin Helmpflicht, und nicht zuletzt wollte ich den (inzwischen erwachsenen) Söhnen ein gutes Vorbild sein. Beim Radeln war es um die mütterliche Vorbildfunktion lange nicht so gut bestellt: Die Frisur leidet. Auf kurzen Strecken ist es nicht so gefährlich. Die Radwege werden immer sicherer. Die Liste der Ausreden, die das Tragen eines Fahrradhelmes herauszögerten, war lang.

Bis eine Freundin auf dem Heimweg vom Bäcker unsanft auf der Motorhaube eines Autos landete. Am Steuer saß ein 90-Jähriger mit multiplen kognitiven Einschränkungen – auf dem Rückweg vom sonntäglichen Frühschoppen! Der Unfall ging glücklicherweise glimpflich aus, aber mein Widerstand gegen den Helm bröckelte. Als sich im Freundeskreis die Horror-Geschichten rund um schmerzhafte Radstürze häuften (Schuhbandl im Pedal verfangen, auf Glatteis gerutscht, rechts vor links übersehen), brach er komplett ein. Ein Helm musste her!

Mein Spiegelbild im Fachgeschäft überzeugte mich nicht auf Anhieb, deshalb zog ich den Verkäufer zu Rate: „Sehe ich mit dem Helm nicht unglaublich bescheuert aus?“, wollte ich wissen – zugegeben mit der leisen Hoffnung auf professionelle Entrüstung ob meiner selbstkritischen Betrachtung. Der bis dahin freundliche junge Mann trat einen Schritt zurück, verschränkte die Arme und vernichtete mich mit folgender Feststellung: „Besser bescheuert aussehen als ein fettes Schädel-Hirn-Trauma!“

Wenn ich mich jetzt auf dem Weg in die Redaktion in einer großen Schaufensterfront spiegle, kneife ich für einen kurzen Moment die Augen zu. Es kann ja nichts passieren – ich fahre schließlich mit Helm.

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