Maß genommen – und getroffen: Nathaniel Brown legte auf seiner offensiven Position das 1:0 vor. © INA FASSBENDER
Dortmund – Dass Nathaniel Brown viele Positionen spielen kann, ist mittlerweile hinlänglich bekannt – und ein Grund gewesen, weshalb der FC Bayern ihn für ungefähr 50 Millionen von Eintracht Frankfurt erworben hat: Linksverteidiger, Rechtsverteidiger, Sechser, Achter oder Linksaußen. Der 23-Jährige fühlt sich in allen Mannschaftsteilen irgendwie heimisch. Seit dem 2:1 (2:0) im Supercup gegen Borussia Dortmund hat sich noch eine weitere Position ins Portfolio von Brown geschlichen: die Zehn.
Dort stellte ihn Bayern-Coach Vincent Kompany nämlich für viele Beobachter überraschend auf. Brown dankte ihm das Vertrauen mit dem Führungstreffer zum 1:0. „Ich bin persönlich nicht so gut ins Spiel reingekommen. Das Tor hat mir ein bisschen geholfen. Wenn man das Tor schießt, ist man wie in einem Tunnel. Das sind einfach nur Glücksgefühle“, gestand der Nationalspieler.
Dass Brown gegen den BVB als Zehner auflaufen könnte, hatte sich in der vergangenen Trainingswoche angedeutet, wie Sportvorstand Max Eberl verriet: „Nene hat sich in den letzten Tagen und Wochen durch seine Tore, durch seine Offensivaktionen in die Situation gebracht. Aber Nene ist ein so intelligenter Fußballer, dass er in jeder Rolle eine Wichtigkeit haben kann. Weil er ein guter Fußballer ist, eine gute Antizipation hat.“
Kompany erwartet von seinen Spielern genau diese Flexibilität. Das hilft vor allem dann, wenn die ursprünglichen Spezialisten für die jeweilige Position ausfallen – so wie es in Dortmund der Fall war. Mit Jamal Musiala, Lennart Karl und Serge Gnabry fehlten gleich drei potenzielle Zehner. „Eine schlaue Lösung für heute, eine gelungene Aktion von Vinnie“, meinte Eberl nach dem geglückten Brown-Experiment.
Nicht ausgeschlossen, dass sich Brown beim Bundesliga-Auftakt am Freitag gegen den VfB Stuttgart erneut auf dieser neuen Position wiederfindet. Denn für Gnabry und Karl kommt nach längerer Zeit im Verletztenstand die Partie zu früh. Und bei Musiala wagt nach der dramatischen vergangenen Woche mit zwei Zusammenbrüchen auf dem Spielfeld und der publik gemachten Diagnose von Absencen infolge einer Medikamentenumstellung noch niemand eine Prognose.MANUEL BONKE