Gewinner: Der Zweitplatzierte Spits (v. l.), Sieger Guerdat aus der Schweiz und der Drittplatzierte Charles. © Anspach/dpa
Aachen – In einem furiosen Finale haben die deutschen Springreiter bei der Einzel-Entscheidung die Medaillenplätze verpasst. Ausgerechnet beim Abschluss der Reit-Weltmeisterschaften in Aachen patzten die drei Paare vor 40.000 hoffnungsfrohen Zuschauern. Zwei Tage nach dem Mannschafts-Gold gab es im Einzel nur Blech: Platz sechs für Daniel Deußer war die beste Platzierung beim WM-Sieg von Steve Guerdat.
„Das Glück, das wir an den ersten Tagen hatten, das hatten wir heute nicht“, sagte Marcus Ehning. Der Frust war den deutschen Springreitern anzusehen, als der Schweizer Guerdat mit Dynamix vor dem Belgier Thibeau Spits mit Impress und dem Briten Harry Charles mit Freda Gold gewann.
„Das ist natürlich ein bisschen enttäuschend“, sagte Deußer. Fast wortgleich kommentierte Bundestrainer Otto Becker und war „ein bisschen enttäuscht“. Der Coach fügte jedoch mit Verweis auf das Mannschafts-Gold an: „Vielleicht hat nach dem Teamspringen, wo wir super abgeliefert haben, heute das Quäntchen Glück gefehlt.“ Es sei sehr eng, „und dann ist jeder Fehler einer zu viel“, sagte Becker: „Aber insgesamt haben wir am Ende drei Paare in den Top ten – das ist stark.“
Deußer mit Otello, Ehning mit Coolio und Sophie Hinners mit Singclair waren in den drei vorherigen Runden ohne Abwurf geblieben. Doch bei den beiden finalen Umläufen fielen die Stangen. Immer weiter rutschten die Mannschafts-Weltmeister im Einzel-Ranking nach unten. Trotz der Enttäuschung am letzten Tag der zweiwöchigen WM war die deutsche Bilanz in den drei olympischen Disziplinen beeindruckend. Schon vor dem Finale hatte es drei goldene, eine silberne und zwei bronzene Medaillen gegeben. „Wir wollten hier unser Sommermärchen im Pferdesport schreiben“, sagte Dennis Peiler, Chef des deutschen Reit-Verbandes im Anschluss: „Und das Fazit ist, dass das geglückt ist.“
Deußer war mit drei fehlerfreien Runden auf Platz eins der Einzelwertung gestürmt, ehe er am Sonntag erstmals patzte. Der 45 Jahre alte Hesse kassierte mit seinem Pferd Otello vier Strafpunkte und fiel vom ersten auf den vierten Platz.