Leonie Beck hätte sich schon früher Tipps von Rafael Nadal gewünscht. © Instagram
Stolz auf ihre Karriere: Leonie Beck mit ihrem EM-Gold in Rom. © Masini/Imago
Ihr letzter Wettkampf liegt schon gut zwei Jahre zurück. Eigentlich wollte Freiwasser-Expertin Leonie Beck nach den Olympischen Spielen von Paris nur eine Wettkampfpause machen, jetzt steht aber fest: Nach je drei WM- und EM-Titeln, ist Schluss. Im Interview mit unserer Zeitung spricht sie über die Hintergründe.
Das Ende der aktiven Schwimmkarriere mit 29 Jahren. Frau Beck, wie kommt es dazu?
Ich wusste vor den Olympischen Spielen in Paris schon, dass ich eine Pause machen will. In den letzten beiden Jahren habe ich viel Medienarbeit, Events und Fotoshootings gemacht. Ich habe gemerkt, wie viel Freude mir diese neuen Aufgaben machen. Ich werde aktuell auch oft darauf angesprochen, dass ich so strahle. Deshalb ist das die richtige Entscheidung.
Wie fühlt sich die neue Perspektive an?
Mir gefällt es, dem Sport verbunden zu bleiben, weil ich nicht nur darüber rede, sondern aus eigener Erfahrung weiß, wie sich die Athleten fühlen.
Was schießt Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken?
Ich hätte mir niemals erträumt, dass ich in meinem Sport einmal so erfolgreich sein würde. Obwohl mir die olympische Medaille fehlt, bin ich mehr als nur zufrieden mit meiner Karriere.
Welchen Rat würde die heutige Leonie der 14-jährigen Leonie geben?
Auf jeden Fall Spaß haben. Vielleicht auch, dass sie den Druck rausnehmen sollte. Der Schwimmsport ist sehr zeitaufwendig und bringt nicht dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit oder die finanziellen Möglichkeiten manch anderer Sportarten mit sich. Umso wichtiger ist es, dass man ihn für sich selbst macht und wirklich Spaß daran hat. Ich hatte in der Zeit vor Paris einfach keinen Spaß mehr, der Druck wurde unglaublich groß.
Inwiefern?
Den größten Druck habe ich mir selbst gemacht. Die letzten drei Monate vor Paris waren eine der schwierigsten Phasen meiner Karriere. Zu wissen, dass das die letzte Chance bei Olympia sein könnte, hat mich enorm beschäftigt. Ich wollte diese Medaille sehr.
Geklappt hat es leider nicht…
Die Bedingungen und die starke Strömung in der Seine haben mir nicht optimal gelegen. Am Ende habe ich mein Bestes gegeben und kann mir nichts vorwerfen. Ich bin jetzt nicht verloren, nur weil es nicht funktioniert hat. Ein Gespräch mit Rafael Nadal einige Zeit nach Olympia hätte mir damals vielleicht geholfen.
Ein Ratschlag der Tennis-Ikone?
Ich war eingeladen zur Eröffnung seines Hotels auf Fuerteventura. Nadal meinte zu mir, dass man vor Drucksituationen akzeptieren müsse, dass man aufgeregt sein wird, und sich dafür bereits vorher einen Plan überlegen sollte.
Viel mehr als über die sportlichen Leistungen wurde damals über die Wasserqualität in der Seine berichtet. Sie wurden krank nach dem Sprung in den dreckigen Fluss…
Ich habe kurz danach schon Frieden mit der Seine geschlossen, alles fein (lacht). Jetzt bei der EM wollte ich am Pause-Tag in den Fluss springen, um ein Video zu haben, in dem ich vor dem Eiffelturm schwimme. Und was passiert? Die Strecke wurde geschlossen, weil Ölspuren im Wasser gefunden wurden. Da dachte ich mir: Okay, das ist mein Zeichen, nie wieder da reinzuspringen (lacht).
Sind Sie verärgert über die damaligen Zustände?
Dass da nicht alles rundgelaufen ist, weiß jeder. Bei der EM-Strecke dieses Jahr ist beinahe keine Strömung zu erkennen und das Wasser ist sauber. Da fragen wir uns alle natürlich: Wieso sind wir damals nicht schon in diesem Abschnitt geschwommen?
Zum Abschluss noch eine Schnellfragerunde: Was vermissen Sie aus Ihrer aktiven Zeit?
Das Zusammenleben mit der Trainingsgruppe.
Und was geht Ihnen überhaupt nicht ab?
Den Druck und das permanente Training.
Mit welchen drei Wörtern würden Sie Ihre Karriere umschreiben?
Puh, ohne Vorbereitung (lacht). Wegweisend, dankbar und widerstandsfähig.
IV: MARCO BLANCO UCLES