Vincent Kompany ist ein Geschenk für den FC Bayern – mittlerweile auch kommunikativ. Als der belgische Fußballlehrer im Sommer 2024 das Cheftraineramt beim deutschen Rekordmeister übernahm und seine ersten Pressekonferenzen und TV-Interviews gab, machte sich anfangs große Ernüchterung bereit. Mit einer Art Schweigefuchs-Taktik wollte er im Haifischbecken an der Säbener Straße weder Spielern noch Verantwortlichen verbal (ungewollt) auf den Schlips treten. Gefühlt hätte der 40-Jährige am liebsten auf gar keine Frage eine Antwort gegeben.
Doch Kompany hat in den vergangenen 26 Monaten nicht nur eine Mannschaft auf europäischem Top-Niveau weiterentwickelt, sondern auch sich selbst – und zwar in den unterschiedlichsten Facetten. Nicht umsonst wurde er nun vom Fachmagazin „Kicker“ zum Trainer des Jahres gekürt. „Dazu kommt die empathische und sympathische Außenwirkung des eloquenten Belgiers, die der Popularität des deutschen Branchenprimus zuletzt alles andere als geschadet hat“, heißt es in der entsprechenden Beurteilung.
Besonders auffällig ist es bei seiner öffentlichen Kommunikation: Sein kluger Anti-Rassismus-Appell vergangene Saison fand international politische Beachtung. Mit dem Leitsatz „Don‘t believe the Hype, don‘t believe the Drama“ (zu Deutsch: Glaube nicht der Masseneuphorie, glaube nicht an das Theater) hat Kompany mögliche Debatten um Überflieger Lennart Karl im Keim erstickt, bevor diese überhaupt aufkamen.
Und bei der tragischen Situation rund um Jamal Musiala hat es Kompany in den vergangenen zwei Tagen geschafft, besorgten Betrachtern von außen eine ganz neue Perspektive auf die Sicht der Dinge zu geben. Am Freitag stellte Kompany die Kurzeinsätze Musialas gegen Leipzig und Heidenheim heraus: Der Ausnahmedribbler habe Sachen gemacht, „von denen man sagen kann, dass er nicht auf gleichem Level wie unsere besten Spieler war, sondern darüber“. Als Kompany am Tag des Supercup abermals auf Musiala angesprochen wurde, meinte er nur cool: „Ich bin beeindruckt von Jamal. Ich habe Geduld.“