… auch an die Meister-Löwen wurde gedacht. © Wagner/Imago
Die 1860-Fans mit einer Choreo über mehrere Tribünen …
Präsident Mang mit Kapitän Dressel. © Feil/Imago
Auf und davon: Fiedler versucht es mit einer Grätsche, aber Heidenheims Balzi ist nicht zu stoppen. © IMAGO
München – Hüpfende und singende Löwenspieler nach dem Spiel vor der Westkurve? Normalerweise ein klares Indiz für einen Sieg des TSV 1860 zuvor auf dem Rasen. Am Samstag war das anders. Die Sechzger waren in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 0:2 an Zweitligist Kiel gescheitert. Doch die Art und Weise beeindruckte. Die Löwen lieferten einen leidenschaftlichen Kampf und hätten mit etwas mehr Spielglück auch die Verlängerung erzwingen können. „Löwen, wir sind stolz auf Euch!“, schallte es nach dem Spiel durchs Grünwalder Stadion.
Mutige Löwen, Kiel mit Dusel
Mit erhobenen Hauptes sprach deshalb Keeper Vitus Eicher nach dem Abpfiff in die Miktofone: „Der TSV 1860 kann mit dem gesamten Auftritt heute sehr zufrieden sein.“ Damit meinte der 35-Jährige auch die Szenen vor der Partie. Mit einer gigantischen Choreo über drei Tribünen huldigten die Fans ihre Meisterhelden von 1966 – 60 Jahre nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Auch der Kieler Gästeblock trug zur feierlichen Atmosphäre bei, skandierte passend zu den Geschehnissen des Löwen-Sommers: „Freiheit für Sechzig!“
Auf dem Platz jedoch war es vorbei mit den Nettigkeiten. Spätestens als Kiels Jonas Therkelsen mit offener Sohle in 1860-Verteidiger Julian Bell hineinrauschte und mit der Gelben Karte noch gut bedient war. „Klar hätte uns eine Rote Karte weitergeholfen, aber ich spreche nicht über Schiedsrichterentscheidungen“, wollte Sechzig-Coach Alper Kayabunar in dieser Szene nicht die Ursache der Niederlage gesehen haben.
Überraschend mutig attackierten die Löwen den Gast aus dem hohen Norden weit in deren Hälfte. Immer wieder sprangen dabei Ballgewinne heraus, die 1860 jedoch im ersten Abschnitt zu selten nutzen konnte. Defensiv musste Sechzig häufig schnelle Umschaltmomente überstehen, profitierte dabei auch vom Chancenwucher der Störche. Nach 33 Minuten jedoch war es passiert: abgewehrte Flanke, die Löwen unsortiert und den zweiten Ball ins Zentrum köpfte Kiels Sturmtank Phil Harres wuchtig ein. Kurz zuvor hätte Tunay Deniz beinahe seine Bewerbung für das „Tor des Jahres“ eingereicht, sein frecher Versuch aus 60 Metern verfehlte den Kasten jedoch knapp.
War der Auftritt vor der Halbzeit schon couragiert, legte 1860 nach dem Seitenwechsel noch eine Schippe drauf. Kiel kam kaum mehr in Strafraumnähe, die Konter wurden mehrfach vom alles überragenden Lasse Faßmann im Keim erstickt. Angetrieben vom Giesinger Tollhaus liefen die Sechzger immer wieder an. Eine direkte Ecke von Lance Fiedler führte beinahe zum Ausgleich, doch der Ball wurde noch von der Linie gekratzt.
Sechzig warf alles nach vorne, auch Keeper Vitus Eicher hielt in den Schlusssekunden nichts mehr hinten. Kiel konterte und traf durch Guillermo Balzi ins leere Tor zum Endstand. Auch die Niederlage tat der grandiosen Stimmung im Grünwalder Stadion keinen Abbruch. Sogar Gästekapitän Jonas Meffert schwärmte hinterher bei Sky: „Riesenrespekt an alle Löwenfans, unfassbare Stimmung. Wir werden ihnen in jedem Spiel die Daumen drücken, dass sie wieder aufsteigen.“MARCO BLANCO UCLES