„Stadion kein rechtsfreier Raum“

von Redaktion

Nach ausgeufertem Südwest-Derby werden harte Strafen gefordert – 85 Verletzte

Polizeieinsatz auf dem Spielfeld: Das Pokalspiel in Mannheim stand kurz vor dem Abbruch. © Michael Gelhardt/Imago

Reizfigur: Kaiserslauterns Marlon Ritter – hier mit Fahnenstange aus dem Waldhof-Block. © Ralf Brueck/Imago

Mannheim – Während Politiker wie Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) die massiven Ausschreitungen beim Südwest-Derby verurteilen, hat bei den Verantwortlichen vom SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern die Suche nach Antworten begonnen. Wie kann verhindert werden, dass die Rivalität zwischen den beiden verfeindeten Fan-Lagern erneut in solche Szenen ausartet?

„Man muss sich zusammensetzen und vielleicht einen anderen Ansatz wählen“, sagte FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen nach dem 1:0-Auswärtssieg der „Roten Teufel“ in der ersten Runde des DFB-Pokals. Nach einem Platzsturm, Pyrotechnik und dem Einsatz von rund 1400 Polizeibeamten rückte der sportliche Erfolg jedoch in den Hintergrund. „Da müssen vielleicht nicht nur durch den Fußball, auch durch den Gesetzgeber härtere Strafen verhängt werden.“

Das Stadion dürfe seiner Ansicht nach kein rechtsfreier Raum sein. Der Verein stehe mit seinen Fans im ständigen Austausch, erklärte Hengen. Angesprochen darauf, ob es eine Möglichkeit gebe, die Emotionen einzudämmen, antwortete er: „Ich glaube nicht, das ist ja von beiden Seiten so. Es ist ein traditionelles Derby. Es ist tatsächlich schwierig“, fügte er hinzu. „Wenn es auf den Rängen so ausgetragen werden würde, wie auf dem Platz, dann wäre das super.“

Fast durchgehend brannten in beiden Fan-Blöcken bengalische Feuer. Immer wieder flogen Knallkörper über und auf das Spielfeld. Nachdem die reguläre Spielzeit torlos geendet war, entluden sich die Emotionen. Zunächst gerieten die Mannschaften in einer Rudelbildung aneinander. Anschließend flogen aus dem FCK-Bereich Feuerwerkskörper in Richtung der Sitzplätze. Berittene Polizisten wurden eingesetzt. Zeitweise drohte ein Abbruch.

Die Liste der Vergehen ist lang. Der DFB hatte bereits unmittelbar nach Spielende auf die Ausschreitungen reagiert. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten“, hieß es in einer Stellungnahme.

Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war angesichts der massiven Ausschreitungen mit 85 medizinisch versorgten Personen und 35 verletzten Polizeibeamten „das Maß überschritten“. Für einen Teil der Eskalation machte der Österreicher FCK-Profi Marlon Ritter verantwortlich. „Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet worden. So hat man ein Problem“, sagte Zuber. Ritter selbst meinte, es sei „wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten“. Zu den Mannheimer Vorwürfen sagte er: „Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in die Kirche.“

Die Polizei ermittelt nun gegen etliche Fans wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

Thomas Mohr, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagt: „Wir wollen deutlich machen, welche personellen und finanziellen Dimensionen solche Hochrisikospiele inzwischen erreichen. Diese staatlichen Ressourcen stehen währenddessen für andere Aufgaben nur eingeschränkt zur Verfügung.“ Nach Angaben der GdP könnten die Kosten für den Einsatz „bei rund einer Million Euro oder darüber“ liegen. Mohr regte an, die Vereine zur Rechenschaft zu ziehen.DPA

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