Für Fairness: Weltranglistenerste Sabalenka befürwortet die Gen-Tests. © Chinn/AFP
Tennis auf der WTA-Tour: Derzeit sind keine Transfrauen am Start. © Cheung/dpa
Cincinnati – Neue Gentests sorgen rund um die US Open für Diskussionen im Tennis. Spielerinnen müssen nachweisen, dass sie auf der Frauentour spielen dürfen. Die Tests haben nun kurz vor dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres begonnen. Einige Profis äußern sich positiv, aus Sicht von Kritikern ist die Regelung hingegen „unethisch“. So läuft die Debatte.
Das steckt dahinter: Vor gut einem Monat hatte die Women‘s Tennis Association (WTA) angekündigt, dass jede Spielerin einmal einen genetischen Geschlechtstest machen muss – de facto stellt dies ein Verbot von Transfrauen im Tennis dar. Beim Screening auf das SRY-Gen wird untersucht, ob das auf dem Y-Chromosom liegende Gen vorhanden ist, das eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale spielt. Der Gentest kann per Wangenabstrich, Blut- oder Speichelprobe durchgeführt werden.
Bisher durften Transgender-Frauen an WTA-Turnieren teilnehmen, wenn sie ihr Geschlecht als weiblich angegeben und über einen Zeitraum von zwei Jahren einen gesenkten Testosteronspiegel nachweisen konnten. Derzeit sind keine Transgender-Frauen auf der WTA-Tour aktiv.
Das sagen die Gegner: Mehrere Menschenrechtsorganisationen forderten die WTA auf, die Tests sofort zu stoppen. Diese würden die komplexe Realität der menschlichen Biologie ignorieren und den getesteten Frauen Traumata zufügen, heißt es in einer Erklärung der Sports & Rights Alliance. „Geschlechtstests in ihren vielfältigen Formen wurden als unethisch, unwissenschaftlich und undurchführbar widerlegt und basieren häufig auf rassistischen Geschlechterstereotypen“, sagte Minky Worden, Direktorin bei Human Rights Watch. „Die WTA sollte sich darauf konzentrieren, mehr Frauen und Mädchen den wunderbaren Tennissport näherzubringen, anstatt ihn zu Überwachung, Stigmatisierung und Stereotypen zurückzuführen, gegen die sie so hart gekämpft hat.“
Das sagen die Befürworterinnen: Die öffentlichen Stimmen aus dem Kreis der Spielerinnen sind aktuell weitgehend positiv. „Ich denke, dass es sehr wichtig ist, damit wir die Fairness auf der Tour wahren“, sagte die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus. Jessica Pegula aus den USA, Drittplatzierte und Mitglied des WTA-Spielerrats, berichtete, dass mit den Tests beim Mastersturnier in Cincinnati – der Generalprobe für die US Open – begonnen worden sei. „Und soweit ich gehört habe, ist es sehr einfach“, sagte die 32-Jährige.
Diese Stimmen gibt es auch: Aus Sicht ihrer US-Kollegin Coco Gauff hätte die WTA bei der Einführung der Tests jedoch transparenter sein können. Inmitten der besonders in den USA hitzig geführten Debatte äußerte sich die 22-Jährige reflektiert: „Ich stimme grundsätzlich zu, dass man die Fairness im Frauensport schützen will, aber ich missbillige die Angriffe, die dadurch entstehen – von Leuten, denen das eigentlich egal ist und die das nur als Vorwand nutzen, um die Transgender-Community anzugreifen.“DPA