Geschlechtstests bei Frauen im Sport gibt es seit Ende der 60er-Jahre. Damals sprach man von „Sextests“, der Begriff war plakativ, sensationsheischend und führte in die Irre. Vor den Olympischen Spielen 1972 in München wurde großflächig durchgetestet, und die damals 15-jährige australische Wunderschwimmerin Shane Gould, die eine Serie von Weltrekorden hielt, erzählte von ihren bangen Tagen und ihrem Unbehagen, bis das Ergebnis vorlag, das ihr Frausein bestätigte. Die Tatsache, dass sie einer solchen Überprüfung unterzogen wurde, weckte bei ihr selbst die Zweifel: Wenn sie daheim in ihrem Club so gut wie die Jungs schwamm – konnte sie dann ein Mädchen sein? Shane Gould war einfach eine herausragende Athletin und natürlich durch und durch Frau. Nach der Karriere gebar sie vier Kinder.
Vor ihren drei Goldmedaillen (plus einmal Silber und Bronze) in München hatte sie aber erleben müssen, was man heute als Trauma bezeichnen würde – und worauf Menschenrechtsorganisationen hinweisen, wenn jetzt wieder im Tennis die Frage weiblich oder nicht weiblich gestellt wird. Sich einem solchen Test – mittlerweile ein Gentest – unterziehen zu müssen, können Betroffene mit gutem Recht als herabwürdigend empfinden.
Schon klar: Eine Sportorganisation wie in diesem Fall die Tennisspielerinnen-Vereinigung WTA, muss auf fairen Wettbewerb achten, und es könnte ja sein, dass eine Transgenderfrau gegenüber Mitbewerberinnen einen Vorteil bei manchen körperlichen Kriterien hat. Aber: Von wie vielen Fällen sprechen wir im Sport? Es sind über die Jahrzehnte recht wenige. Im Frauentennis gibt es derzeit keinen einzigen – und dafür ist das ein großer Aufschlag, der vor den US Open gerade vollführt wird.
Dass reihenweise biologische Männer den Frauensport infiltrieren würden, ist ein Szenario, das gewisse gesellschaftliche Kreise heraufbeschwören, sich aber bislang als Mär erwiesen hat. Der Verdacht liegt schon sehr nahe, dass die WTA einfach vorauseilend anbiedernd an den transfeindlichen Präsidenten des Landes agiert, in dem sie demnächst ein großes Turnier spielt.