„Ich bin jetzt der größte Fan“

von Redaktion

Weltmeister Johannes Voigtmann beendet seine Karriere im deutschen Nationalteam

„Für mich war es das Allergrößte“: Voigtmann über seine zwei Olympia-Teilnahmen. © Wiedensohler/Imago

Ab jetzt voller Fokus auf die Bayern. © Hoermann/Imago

Ja, es ist wahr: Johannes Voigtmann zeigt stolz den WM-Pokal. Er war von Anfang an Teil der goldenen Generation. © Wiedensohler/Imago

München – Jo Voigtmann (33) beendet nach elf Jahren und 128 Einsätzen seine Karriere im Nationalteam, mit dem FC Bayern hat er aber noch viel vor. Der Weltmeister von 2023 spricht über sein Kapitel DBB.

Herr Voigtmann, beim Supercup am Wochenende fehlten Sie, am Donnerstag in Köln sind Sie vor Ort. Wieder als Spieler?

Nein, ich bin jetzt Fan und ein Ehemaliger: Denn ich habe mich entschieden, meine Karriere in der Nationalmannschaft nun offiziell zu beenden. Ich wollte eigentlich schon nach Olympia aufhören und hatte das mit Alex Mumbru besprochen.. Er hat mich überzeugt, noch ein Jahr dranzuhängen und die EM zu spielen. Dafür bin ich ihm dankbar, weil es noch einmal ein schöner Sommer war – auch wenn er durch meine schwere Verletzung etwas eingetrübt war. Für mich war danach klar: Das war es beim DBB und ich werde mich nur noch auf Bayern konzentrieren. In Köln werde ich verabschiedet, dafür hat mir unser neuer Coach Anton Gavel sogar eine Trainingseinheit erlassen.

War das lädierte Knie der entscheidende Punkt?

Das war das i-Tüpfelchen. Ich habe schon länger darüber nachgedacht: Wann ist der richtige Zeitpunkt, wann ist genug? Will ich nicht im Sommer endlich mal Zeit mit der Familie verbringen? Dass körperlich noch ein Faktor dazukam, war nicht zu vernachlässigen. Aber die Entscheidung für die Family hatte ich eigentlich schon im Frühjahr getroffen.

Wie schwer fällt es, so eine Generation zu verlassen?

Es ist okay. Der Zeitpunkt ist gut. Wir haben viele Sachen gewonnen. Ich bin komplett im Reinen mit mir und mit dem, was wir erreicht haben. Die wenigsten schaffen es, auf einem Höhepunkt aufzuhören. Für mich ist es sehr gut.

Ein Abschied ist auch ein Moment, zurückzuschauen. Sie kamen 2014 als junger Spieler zum DBB. Wann wurde die Nationalmannschaft zu Ihrer Mannschaft?

Das war 2017 bei der EM. Das war dann meine Generation. Da hatte ich das Gefühl, Teil einer neuen Ära zu sein. Und da ging es für uns richtig los.

Eine Enttäuschung war mit der WM 2019 allerdings nicht weit. Hat es die Erfahrung von China gebraucht um die goldenen Jahre mit den Titeln 2023 und 2025 zu erleben?

Zu 100 Prozent. Kurz danach sprach ich mit Henrik Rödl und Dennis Schröder darüber, was anders laufen muss. Wir hatten viele Fehler gemacht, die Chemie stimmte nicht. Diese Erfahrung war wichtig, um zu sehen: So funktioniert es nicht. Danach wurden wir alle etwas ehrlicher und haben auch mal den Konflikt gesucht.

Was musste sich ändern?

Wir mussten ehrlicher miteinander sein und mehr Konflikte suchen – im positiven Sinn. Du musst eine Atmosphäre schaffen, in der du im Training gegeneinander kämpfst, dir Sachen sagen kannst und nach dem Training trotzdem eine gute Zeit miteinander hast. Das ist das A und O. Dazu kam: Unter Gordie (Herbert, d.Red.) hatten wir die Sicherheit, im nächsten Sommer nicht wieder bei null anfangen zu müssen. Wenn man sich im Vereinsbasketball umguckt, zum Beispiel beim neuen EuroLeague-Gewinner Olympiakos Piräus, sieht man: Ein Team, das lange zusammenbleibt, ist extrem wichtig, um Erfolg zu garantieren.

Heraus kam ein historisches Turnier. Gibt es den einen Moment, der Ihnen besonders hängen geblieben ist.

Wir sind am Tag vor dem Spiel immer in die Sauna gegangen. Wir haben über alles Mögliche geredet. Wir konnten ohne Basketball klarkommen, aber genauso gut über Basketball reden. Diese Mischung aus Entspanntheit und Fokus war etwas Besonderes.

Sie waren gleich zweimal bei Olympia. Was bedeutet Ihnen das?

Für mich war es das Allergrößte. Als ich in Tokio zum ersten Mal in die Mensa kam und dort die unterschiedlichsten Sportler gesehen habe – kleine Turner, riesige Ruderer, schwere Judoka –, war das beeindruckend. Insofern bin ich auch sehr froh, dass wir in Paris bei der Eröffnungsfeier waren, auch wenn es sportlich ein bisschen grenzwertig war, weil wir ja in Lille gespielt haben. Zweimal Olympia erlebt zu haben und in Paris sogar mit meinen Kindern dabei gewesen zu sein, ist Wahnsinn.

Nun treten Sie ab. Aber angesichts der nachdrängenden Talente dürfte ihnen nicht bange sein.

Überhaupt nicht. Der Talentpool in Deutschland ist so riesig, dass man prinzipiell eigentlich auch die ganze Mannschaft austauschen könnte und immer noch eine sehr gute Basis da wäre. Sie werden ihre eigenen Geschichten schreiben. Ich bin ab jetzt der Nummer-1-Fan von draußen.

Beim FC Bayern sind Sie aber noch mittendrin. Was erwarten Sie von Ihrem neuen Trainer Anton Gavel?

Ich glaube, Anton Gavel ist eine sehr, sehr gute Idee. Er war als Spieler schon sehr engagiert und coacht jetzt genauso. Das wird eine interessante Aufgabe für ihn, und ich versuche, ihm zu helfen, dass es erfolgreich wird.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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