Unterwegs in wilden Welten

von Redaktion

Kein Gehalt, unauflösbare Verträge – EHC-Zugang Lukas Kloks Erlebnisse

Wird er in München sesshaft? Weltenbummler Lukas Klok. © Red Bull/City-Press

München – Die Wertschätzung, die das Management des EHC Red Bull München für den neuen Verteidiger Lukas Klok empfindet, äußert sich darin: Man hätte ihn auch als Importspieler verpflichtet.

Schon vor knapp zwei Jahren kam man sich nahe, sprach miteinander, damals entschied der Tscheche sich für den SC Bern. Als diesen Sommer die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden, konnte Klok die interessierten Münchner mit einer Neuigkeit überraschen: Er hatte den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit eingeleitet. Es bestand eine gute Chance, dass man für ihn keine der elf Lizenzen für ausländische Spieler verwenden müsste. „Vor zwei Monaten habe ich dann den deutschen Pass gekommen.“

Es war in der Eishockeyszene nicht bekannt gewesen, dass Lukas Klok, geboren 1995 in Ostrava (2024 fand dort die WM statt), deutsche Wurzeln hatte. „Meine Großmutter und meine Eltern, sie sprechen fließend Deutsch“, sagt er. Als Lukas heiratete (auch seine Frau hat deutsche Vorfahren) und der erste Sohn geboren wurde, dachte er darüber nach, dass mit der deutschen Staatsangehörigkeit offiziell zu machen: „Vielleicht eröffnet es unserem Sohn zusätzliche Möglichkeiten“. so lautete seine Überlegung, „in dieser wilden Welt weiß man nie, was einen erwartet.“

Lukas Klok hat diese Welt kennengelernt – als er in Russland spielte, sein Gastgeberland einen Krieg anfing und er nicht aus seinem Vertrag heraus konnte.

2018 hatte Lukas Klok sich entschieden, seinen Heimatclub Vitkovice zu verlassen: „Ich habe mich freigekauft.“ Er wechselte ins Nachbarland Slowakei, zu Slovan Bratislava, das damals seine letzte Saison in der russischen Kontinental Hockey League (KHL) bestritt, die der nordamerikanischen NHL Konkurrenz machen wollte. „Es war riskant, zu Slovan zu gehen, da gab es finanzielle Probleme.“ Er bekam es zu spüren: „Ich habe sieben Monate keinen Gehaltsscheck gesehen.“ Erst am Ende bekamen alle ihr Geld. Klok war abschließend glücklich, denn er hatte sich ins Schaufenster gestellt. Zwei Jahre spielte er in Finnland, wurde 2021 mit Lukko Rauma Meister – und bekam ein neues Angebot aus der KHL. Von Neftekhimik Nischnekamsk. Er schlug ein, im Dezember 2021 verlängerte er den Vertrag vorzeitig um zwei Jahre. Dann kam der Krieg, viele nicht-russische Spieler gingen, auch Lukas Klok wollte weg. Nischnekamsk habe ihm gesagt, das ginge nur, wenn er sich freikaufe. Was aufgerufen wurde, „hatte ich in meiner Karriere bis dahin gar nicht verdient“.

Zurück nach Russland: Der schwerste Tag seines Lebens

Einziger Ausweg; ein NHL-Vertrag, für diesen Fall galt eine internationale Freigabe-Vereinbarung. Klok unterschrieb im Sommer 2022 bei den Arizona Coyotes, der Vertrag in Russland pausierte, aufgelöst wurde er nicht. Arizona steckte ihn ins Farmteam nach Tucson. Wegen einer familiären Angelegenheit wollte Lukas Klok aber schnell wieder nach Europa, Nischnekamsk gestattete ihm, die Saison in Europa zu beenden. Klok spielte für Malmö in Schweden, da lief es nicht gut („Ich hatte eine Operation an der Hand und eine am Knie gehabt“), dann für Lugano in der Schweiz. Dort hätte er bleiben können, doch sein russischer Verein sagte: Njet. 2023/24 verteidigte Klok wieder für Nischnekamsk. „Am 25. Juli 2024 wurde unser Sohn geboren, am 28. Juli musste ich meine Familie in Tschechien zurücklassen und wieder nach Russland. Es war einer der härtesten Tage meines Lebens.“

Vier Monate später gelang es ihm endlich, die Sache mit Nischnekamsk zu beenden. In Bern kam die junge Familie Klok zusammen, 2025/26 spielte Lukas für den EHC Kloten, ebenfalls in der Schweiz. Und ab 2026/27 als Deutscher in der DEL.

„Er hat einen speziellen Witz und wird gut in der Kabine ankommen“, erwartet Münchens Sportchef Christian Winkler. Das kann gut sein: Als Klok in der KHL spielte, lernte er Russisch („Dann findet man Zugang, wird anders behandelt“), die Eishockeysprache Englisch spricht er fließend, das Deutsch, das er zuhause hörte, wird zurückkommen.

Es sind die vergangenen Jahre kaum noch Tschechen in die DEL gekommen. Erklärung? „Man dachte, die Qualität sei nicht so gut oder dass die amerikanischen und kanadischen Coaches ihre Spieler holen. Aber wenn man die Statistiken sieht“, so Lukas Kloks Schlussfolgerung: „Eishockey hat in Deutschland eine große Kultur, die höchsten Zuschauerzahlen in Europa. Und jetzt kann ich sagen: WIR schlagen die Tschechen.“ Derzeit ist Klok wie einige andere Spieler verletzt, zum DEL-Start am 18. September soll er aber fit sein. Dann kann er sich zeigen.GÜNTER KLEIN

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