Kann Boss Manfred Paula (links.) alle Talente halten? © Feiner/Imago
Schon in jungen Jahren Leistungsträger der Löwen: der 19-jährige Emre Erdogan (u. li.) und der 20 Jahre alte Lasse Faßmann (rechts). © Christ/Imago
Pluspunkt für die Löwen: Die Talente fühlen sich wohl beim TSV 1860. © Wagner/Imago
München – Benedikt Hoppe brachte das derzeitige Gefühl vieler Löwenfans bei Instagram auf den Punkt. Dort schrieb der Innenverteidiger des TSV 1860 unter Bilder der ehrenhaften 0:2-Niederlage gegen den Zweitligisten Holstein Kiel: „Unfassbar stolz auf die Mannschaft, den Verein und unsere Fans. Hier entsteht gerade etwas ganz Besonderes.“ Der momentane Kader der Sechzger weckt große Hoffnungen, in dieser Saison ganz oben in der Regionalliga Bayern anzugreifen. Doch noch steht überhaupt nicht fest, ob alle Leistungsträger der Löwen überhaupt an Bord bleiben.
Wie schnell aus vermeintlichen Hoffnungsträgern bedauerliche Abgänge werden, zeigte das Beispiel Loris Husic. Der Abgang des Österreichers zeichnete sich bereits vergangene Woche ab. Seit Montagabend ist es offiziell: Der 18-Jährige wechselt zum FC Augsburg, wird dort zunächst für die U23 in der Regionalliga Bayern auflaufen. Von der Ablösesumme können sich die Löwen der Neuzeit wortwörtlich nichts kaufen, denn Husic stand noch bei der KGaA unter Vertrag. Das Geld fließt damit in die Insolvenzmasse.
Und Husic könnte kein Einzelfall bleiben. Denn gleich mehrere hochtalentierte Spieler bei 1860 wurden immer noch nicht bei der Spielbetriebs-GmbH vorgestellt und stehen bei der KGaA, die sich ja bekanntlich in der Vorinsolvenz befindet, unter Vertrag. Bei den Namen dürfte es den Fans eiskalt den Rücken hinunterlaufen: Emre Erdogan, Lance Fiedler und Lasse Faßmann. Alle drei Junglöwen spielten sich in den vergangenen Wochen ins Schaufenster, sind im Team von Alper Kayabunar gesetzt.
Die geldsuchende KGaA würde sich bestimmt nicht dagegen wehren, mit den drei Jungspunden bis zum Ende des Transferfensters am 1. September noch den ein oder anderen Euro einzuspielen. Ob die erst vor wenigen Wochen gegründete Spielbetriebs-GmbH da bereits die finanziellen Möglichkeiten hat, um Faßmann & Co. zu sich zu lotsen, darf zumindest bezweifelt werden.
Die Berater der Löwentalente halten sich auf tz-Nachfrage bedeckt, verweisen auf den Verein. Ein Dementi klingt anders. Präsident Gernot Mang formulierte nach dem Kielspiel beim BR eines seiner großen Ziele für die kommenden Monate: „Die Mannschaft so zusammenzuhalten.“ Heute erhalten die Sechzger samt Präsident ihr neues Wiesn-Outfit von Trachten Angermaier. Ob Mang dabei positive Nachrichten verkünden kann?
Das Faustpfand des Vereins: Alle drei Talente identifizieren sich voll und ganz mit 1860. Das ist deutlich spürbar, auf dem Platz und daneben. Daher gibt es berechtigte Hoffnung, dass Faßmann & Co. dabei sein wollen, wenn „etwas Besonderes entsteht“.MARCO BLANCO UCLES