Die Verträge von CEO Dreesen (links) und Sportvorstand Eberl (rechts) werden verlängert. © Hoppe/dpa
München – Am Dienstag tagte beim FC Bayern der neunköpfige Aufsichtsrat um Boss Herbert Hainer sowie die nach wie vor sehr einflussreichen Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Bei dieser turnusmäßigen Gremiumssitzung in der Allianz Arena wurden auch die Vertragsverlängerungen von Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl bis 2029 beschlossen.
„Das Vertrauen des Aufsichtsrats ist ein wertvolles Zeichen, über das ich mich sehr freue“, sagte Eberl, dessen Verbleib über 2027 hinaus eine Zeit lang alles andere als ein geräuschloser Selbstläufer war. Stellt sich die Frage: Wie viel Macht hat der Sportvorstand künftig noch?
Fakt ist: Formal hat er bei sportlichen Entscheidungen immer noch den Hut auf. Doch seine Gestaltungsmöglichkeiten scheinen eingeschränkter. Der Campus wurde bereits umstrukturiert, die Hoheit über die Talentschmiede liegt seit einiger Zeit nicht mehr bei Eberl, sondern bei Sportdirektor Christoph Freund und Jochen Sauer als Direktor Nachwuchsentwicklung. Mit Markus Weinzierl, dem früheren Sportlichen Leiter am Campus, trennte sich der Verein bereits vor wenigen Monaten von einem Intimus des Sportvorstands.
Außerdem soll sich Eberl künftig von seinem Chefscout und langjährigen Vertrauten Nils Schmadtke, Sohn des langjährigen Bundesliga-Managers Jörg Schmadtke, trennen (tz berichtete). Beide arbeiteten zuvor bereits bei Mönchengladbach zusammen. Ein Nachfolge-Kandidat ist Christopher Vivell von Manchester United (Vertrag bis 2027). Ein Ex-Kollege von Freund und Sauer aus gemeinsamen Salzburger Zeiten.
Eberls Vertragsverlängerung galt lange Zeit nicht als selbstverständlich. Noch im Mai stand der Sportvorstand nach dem DFB-Pokalsieg der Bayern in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und musste sich von einem Reporter sogar die Frage anhören, ob es nach kritischen Aussagen von FCB-Patron Hoeneß zu „einer Blitz-Trennung“ kommen könnte.
Ausgerechnet am Finaltag veröffentlichte der „Spiegel“ Aussagen, in denen der Ehrenpräsident die Tendenz für eine Verlängerung mit Eberl mit gerade mal „60 zu 40“ bezifferte.
Dem Sportvorstand wurde immer wieder vorgeworfen, sich bei Verhandlungen von der Gegenseite nach oben treiben zu lassen. Zudem soll er früher anfangs Zahlen ausverhandelt und erst dann den Granden präsentiert haben – ohne diese vorher intern abzusprechen.
Der Austausch zwischen Eberl und dem Vorstand sowie dem mächtigen Aufsichtsrat soll inzwischen engmaschiger und besser sein. Auch seine öffentlichen Auftritte werden intern positiv bewertet. Die Tendenz für einen neuen Vertrag des Sportvorstandes bezifferte Hoeneß Ende Juli auf „100 Prozent“. Der 74-Jährige bescheinigte Eberl & Co „eine perfekte Transferperiode“. Für die Neuzugänge Ismael Saibari (Eindhoven) und Nathaniel Brown (Frankfurt) zahlten die Münchner jeweils rund 50 Millionen Euro Ablöse. Die Notwendigkeit eines teuren Backups für Linksaußen Luis Diaz sah der Aufsichtsrat hingegen nicht. Vor allem Rummenigge steht Eberls Arbeit nach wie vor kritisch gegenüber.
Hainer sieht die Verlängerungen positiv: „Mit Jan-Christian Dreesen, Max Eberl und Rouven Kasper (Marketing, Anm.) ist unser Vorstand hervorragend aufgestellt.“P. KESSLER, V. TSCHIRPKE