Erst 41 – „aber kein Trainerrookie“

von Redaktion

André Rankel übernimmt beim DEB – Bei seiner Präsentation sagt er wenig Konkretes

Er ist der Neue: André Rankel. © Sven Hoppe/dpa

München – Kurz bevor André Rankel den Pressekonferenzraum im Münchner SAP Garden betrat, wurde das Tablet vor dem mittleren Platz auf dem Podium eingeschaltet, und darauf stand es: „André Rankel – Bundestrainer“, und somit war es offiziell. Mit dem Berliner, der am Tag seines Dienstantritts den 41. Geburtstag beging („Um 5.30 Uhr habe ich meine Frau in den Arm genommen, dann ging es zum Flughafen“), schloss der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) einen Vertrag bis 2030. Seine erste große Aufgabe wird es sein, die Heim-WM 2027 (Gelsenkirchen, Mannheim, Düsseldorf) erfolgreich zu gestalten. DEB-Vorstandsvorsitzender Frank H. Lutz sagte: „Wir sehen viele Aspekte, dass es eine langfristige Zusammenarbeit wird.“ Gerade hat der Verband ein großes Zehn-Säulen-Konzept bis 2034 aufgesetzt.

In der ersten Reihe saßen Peter John Lee (Berlin), Charly Fliegauf (Wolfsburg) und Stefan Ustorf (Nürnberg), die zusammen mit DEB-Sportvorstand Christian Künast auf Trainersuche gegangen und sich von einer Longlist („Zweistellig und aus mehreren Ländern“, Künast) zu einer Shortlist und den Favoriten durchgearbeitet hatten. Das finale Job-Interview mit dem Kandidaten Rankel schildert Künast so: „Als André aus dem Raum gegangen ist, hatten wir vier den Eindruck: Das war der neue Bundestrainer.“ Der DEB-Aufsichtsrat segnete die Personalie schließlich einstimmig ab.

Rankel hat die „Stakeholder des deutschen Eishockeys“ (Lutz) also für sich eingenommen, doch wie verlief Rankels erster öffentlicher Auftritt? Die Begeisterung von Lee/Fliegauf/Ustorf wird nicht so richtig verständlich, denn der neue Bundestrainer tritt zwar selbstbewusst auf, bleibt in seinen Aussagen aber unkonkret. Es gehe ihm um „Werte, Standards, Prozesse“, um „gute Beziehungen zu allen Spielern, ich will sie als Persönlichkeiten kennenlernen“, er bringe „Leidenschaft, Willen, Stolz“ mit, werde „all in gehen“ und gleich loslegen. Was man halt so sagt. Der wichtigsten Frage weicht er aus: Warum die Eisbären Berlin, denen er 23 Jahre als erfolgreicher Spieler und Co-Trainer diente, nicht ihn zum Cheftrainer machten, als die Stelle im Sommer vakant wurde, sondern einen Kanadier bevorzugten? „Das kann ich nicht sagen. Jetzt bin ich hier.“ Nun ja. Auf dem Erwartungszettel der Öffentlichkeit stand André Rankel nicht. Er sagt, er sei ohne konkrete Zielsetzungen in die Trainerbranche gegangen: „Ich bin prozessorientiert.“

Die Verbindung zum DEB besteht schon länger. Künast holte Rankel schon mal als U18-Trainer in den Verband und versichert: „Für mich ist er kein Rookie, sondern ein erfahrener Trainer.“ Zumindest hat Rankel viel von den Großen gelernt. In Berlin spielte er unter Pierre Pagé („Er war oft überhart, aber hat allen geholfen, sie besser zu machen“) und Don Jackson (“Bei ihm war es die Menschenführung und das Vertrauen, das er mir und dem Team immer gegeben hat“), von Serge Aubin, unter dem er Co-Trainer war, erfuhr er, wie wichtig Details sind: „Da ist dann auch ein Videoclip mal eine Sekunde zu lang.“

Rankel wird Berlin als Lebensmittelpunkt behalten, aber hat sich vorgenommen, viel zu reisen. Nach Schweden und auch nach Nordamerika, denn auch die deutschen NHL-Spieler müssen den Mann, der überraschend Bundestrainer geworden ist, kennenlernen. Und er sie.GÜNTER KLEIN

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