Amon-Ra St. Brown nimmt sich Zeit für seine Fans.
Ab nach München: Trayveon Williams. © Antaya/AFP
Maskottchen „Roary“ posiert mit einem Richter.
Die Löwen wollen am 15. November die Allianz Arena einnehmen. © Lemus/Imago
„Dieses Jahr schaffen wir es in den Super Bowl“: Die Fans der Detroit Lions sind sich einig, was die diesjährigen Ziele betreffen. © Claas Schönfeld (2), SHAW/AFP
Detroit – Noch kurz die Robe zurechtrücken, breites Lächeln aufsetzen und dann den Arm um die glänzende Löwenmähne legen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, will auch der lokale Richter in seiner Mittagspause ein Foto mit „Roary“ abstauben. Das Maskottchen der Detroit Lions ist ein Superstar in „Motor City“. „Wenn er nicht gerade im Ford Field am Spielfeldrand steht, zaubert er den Mitgliedern der Lions-Familie ein Lächeln aufs Gesicht“, so heißt es auf seinem eigenen Instagram-Account. Klingt nach Marketing, ist aber tatsächlich die Wahrheit. Schon das Maskottchen macht klar: Es ist ein besonderes NFL-Team, das da am 15. November nach München kommt.
Die „Roary-Mania“ ist nur ein Indiz dafür, wie vernarrt die Detroiter in ihre Lions sind. „Wenn man hier geboren wird, wird man als Lions-Fans erzogen“, erklärt Anhänger Daniel und deutet dabei auf seine Tochter, die gerade Getränke beim Tailgating verteilt. Selbiges findet natürlich statt, auch wenn an diesem Tag nur ein Vorbereitungsspiel gegen die Washington Commanders ansteht. Auf dem Kunstrasen im Ford Field mangelt es daher an Intensität, das kann man von den über 50.000 Fans allerdings nicht behaupten. Fast 110 Dezibel werden während eines gegnerischen Angriffs in der geschlossenen Arena gemessen.
Wobei das Wort „Arena“ eigentlich untertrieben hinsichtlich der Ausmaße des Stadions ist. Allein der Eingangsbereich bietet mehr Platz als so manches Bundesligastadion. Neben diversen Verpflegungsmöglichkeiten beheimatet der Kosmos „Ford Field“ noch Büros für die Angestellten der Lions sowie einen riesigen Hospitality-Bereich für die zahlungskräftigen Mitglieder der „One-Pride-Community“.
Erbaut wurde das Stadion auf den Grundmauern des „Hudson’s Warehouse“, einem der größten und berühmtesten Kaufhäuser der USA. „Man kann hier noch die alten Ziegelsteine vom Hudson’s teilweise in den Mauern finden. Viele Lions-Fans haben im Kaufhaus gearbeitet. Wir sind sehr stolz auf unsere Historie, harte Arbeit ist Teil unserer DNA. Es entstehen viele tolle, neue Sachen hier in der Stadt und rund um das Team, aber wir vergessen nie, wo wir herkommen“, erläutert Faelan O’Brien aus dem Marketing-Team der Lions.
Natürlich ist die Fannähe auch ein Business-Modell im durchkommerzialisierten US-Sport, den Lions kauft man es bei aller Gewinnabsicht aber tatsächlich ab. Ein Beleg dafür: In den Tagen vor dem Spiel gegen Washington findet vor den Toren der Stadt das Trainingscamp statt. Der Eintritt ist kostenlos. So findet eine lockere Übungseinheit vor mehreren Tausend Zuschauern statt. „Die Fans sind es, was die Lions ausmacht. Als es schlecht lief, waren sie genauso da wie in den erfolgreicheren letzten Jahren“, so einer der Anhänger im Camp.
Stichwort Erfolg: Das Vorbereitungsspiel endet mit einem Lions-Sieg. Ein kleiner erster Schritt in Richtung des großen Ziels: „Dieses Jahr schaffen wir es in den Super Bowl“, so die einhellige Meinung unter Fans und Angestellten. Am 14. Februar steigt das Endspiel in Los Angeles. Das eine oder andere Valentinstags-Date in Detroit fällt daher vielleicht aus. Zunächst geht es für das Team um den deutsch-amerikanischen Star-Receiver Amon-Ra St. Brown aber im November nach Deutschland. Da könnte es dann trotz schlechtem Wetter romantisch werden, denn in diese Lions könnte sich auch München verlieben.CLAAS SCHÖNFELD