Jetzt geht der Kampf erst richtig los: Owen Ansah hat möglicherweise einen jahrelangen Rechtsstreit vor sich. © Hoppe/dpa
Berlin – Während Deutschlands Top-Sprinter Owen Ansah im Hintergrund um seine Zukunft kämpft, betreten die anderen EM-Stars am Sonntag die große Bühne. Im Berliner Olympiastadion steigt für Leo Neugebauer, Gina Lückenkemper und Co. beim ISTAF eine große Leichtathletik-Party – für Ansah geht das juristische Ringen um sein Gold und Bronze von der EM hingegen jetzt erst so richtig los.
Denn: Der Europameister über 200 m zieht im Verfahren um seinen mutmaßlich verweigerten Dopingtest vor das deutsche Sportschiedsgericht (DIS), um eine drohende Sperre von vier Jahren zu verhindern. Der grundsätzlich nicht öffentliche Prozess solle „zügig und effektiv durchgeführt“ werden, teilte die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) mit. Wann das Verfahren beginnt, ist hingegen offen. Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh wollte mit Blick auf das laufende Verfahren kein Statement abgeben.
Obwohl die NADA Ansah vorwirft, am 9. Juli gegen Artikel 2.3 des Nationalen Anti-Doping-Codes (Weigerung oder Unterlassen, sich einer Probenahme zu unterziehen) verstoßen zu haben, ist der 25-Jährige weiterhin nicht suspendiert. Der Hamburger weist die Vorwürfe zurück und beteuert seine Unschuld, beim ISTAF (ab 14.00 Uhr/Livestream auf sportschau.de) hätte er sich eigentlich von den etwa 40.000 Fans feiern lassen sollen. Doch Ansah wird verletzt fehlen.
„Ich habe mich sehr auf den Wettkampf gefreut, aber mein Körper zeigt mir gerade, dass es Zeit ist, ihm die nötige Ruhe zu geben“, meinte Ansah bei Instagram. Zu der neuesten Entwicklung in seinem Fall äußerte sich der deutsche Rekordhalter über 100 m (9,98 Sekunden) nicht, aber Ruhe um seine Person wird sicherlich nicht einkehren. Denn weiterhin steht die Frage im Raum, ob Ansah seine EM-Medaillen behalten darf. Theoretisch könnte sich das juristische Hickhack noch über Jahre hinziehen, in letzter Instanz wäre der internationale Sportgerichtshof CAS zuständig.
Doch erst einmal will Ansah seinen Urlaub genießen. „Jetzt werden die Spikes erstmal beiseite gelegt und die Flip Flops rausgeholt“, meinte der Europameister, der zuletzt immer wieder betont hatte, die Dopingkontrolle am 9. Juli zu keinem Zeitpunkt grundsätzlich verweigert zu haben. Vielmehr habe er unter massivem Zeitdruck gestanden, um noch sein Flugzeug zum Diamond-League-Meeting in Monaco zu erreichen. Zudem habe er erst kurz vor dem Eintreffen des Kontrolleurs die Toilette aufgesucht und daher keine Probe abgeben können, außerdem sei der Kontrolleur außerhalb des von Ansah offiziell angegebenen Zeitfensters erschienen.
Auch ohne Ansah werden noch 15 deutsche Medaillengewinnerinnen und -gewinner beim ISTAF am Start sein. Allen voran etwa Zehnkämpfer Neugebauer, Sprinterin Lückenkemper, Hindernis-Ass Gesa Felicitas Krause oder Speerwerfer Julian Weber. Weitsprung-Königin Malaika Mihambo wird wie Ansah verletzungsbedingt fehlen, dennoch soll es eine große Party werden. „Ich freue mich sehr darauf, wieder mit dem fantastischen Berliner Publikum zu feiern“, sagte etwa Neugebauer, der in einem Dreikampf (100 m, Diskus und 1500 m) antritt.SID