Vom Verein für‘s Leben lernen

von Redaktion

Mein Sohn ist aufgestiegen. Leider nicht in die Profiliga des FC Bayern, die es ihm ermöglichen würde, seiner geliebten Mutter einen Maserati vor die Tür zu stellen, sondern in die Herrenmannschaft unseres Heimatvereins. Dennoch ist es Zeit über Geld zu reden, weil er mir neulich sichtlich nervös den Strafenkatalog präsentiert hat, der ihm vom Trainer ausgehändigt wurde.

Und was soll ich sagen? Der Mann ist ein Genie! Hier ein kurzer Auszug dieses wunderbaren Schriftstücks: Absagen am Trainingstag nach 15 Uhr – 5 Euro, zu spät kommen – 5 Euro, unentschuldigtes Fehlen – 10 Euro, Kleidung oder sonstiges vergessen – 5 Euro, gelbe Karte wegen Meckerns – 20 Euro, Handy klingelt während der Besprechung – 5 Euro. Und mein persönlicher Favorit: Furzen in der Kabine – 2 Euro.

Ich war sofort begeistert – nicht vom Furzen, sondern von diesem ausgeklügelten pädagogischen Konzept. 19 Jahre lang habe ich gelabert, beharrlich erinnert, hinterhergetragen und dafür genervte Blicke kassiert. Stattdessen wäre eine Preisliste am Kühlschrank so viel sinnvoller gewesen: Zu spät zum Abendessen – 5 Euro, schmutzige Wäsche im Zimmer – 5 Euro, „hab’ ich vergessen“, „mach’ ich nachher“, „chill mal“ – 10 Euro.

Wer hätte gedacht, dass man vom Fußballverein für‘s Leben lernen kann – auch als Erwachsene? Mein neuerdings sehr disziplinierter Sohn jedenfalls ist der beste Beweis, dass Gemeinschaft funktioniert, wenn Fehler nicht nur nerven, sondern auch kosten. Hätte ich es nur früher gewusst: Ich wäre vermutlich Millionärin oder bereits in Frührente. Aber vielleicht werde ich ja irgendwann noch eine stinkreiche Oma.

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