Starke Fangquote: 2025/26 war Philipp Grubauers beste NHL-Saison seit Langem. © Graham Hughes/dpa
Cowboy-Lifestyle: Grubauer engagiert sich für in Not geratene Pferde. Gelegentliches Reiten gehört für ihn zum Ausgleich vom Eishockey. © Instagram
München – 2008, mit knapp 17 Jahren, ging Philipp Grubauer nach Nordamerika. Der Rosenheimer erreichte sein Ziel: Eishockey-Profi zu werden in der NHL. Mit den Washington Capitals gewann er 2018, damals noch als zweiter Goalie, den Stanley-Cup, bei Colorado Avalanche wurde er zur Nummer eins. 2021 schloss er sich der Neugründung Seattle Kraken an. Bei Olympia und den vergangenen drei Weltmeisterschaften war er der deutsche Torhüter Nummer eins.
Philipp Grubauer, Sie sind 34 und gehen in Seattle ins letzte Vertragsjahr. Was kommt danach?
Die Frage hat man im Hinterkopf. Aber wenn man gut spielt, fallen am Ende alle Steine zusammen. Hoffentlich kann ich noch ein paar Jährchen dranhängen.
In der NHL?
Wenn das drüben wäre, der Körper mitmacht und ich zu hundert Prozent angreifen kann, wäre das nicht schlecht. Wenn nicht, schaue ich im kommenden Sommer mal in Rosenheim vorbei, ob die einen Torwart brauchen (schmunzelt).
Der Traum der Rosenheimer: Aufstieg in die DEL 2027, und dann stehen Sie im Tor und der jetzt noch in München spielende Patrick Hager am Bully.
(lacht) Da müssen sie erst mal die Logen fertigbauen und aufsteigen, und ich muss mich mit dem Patrick und dem Max Renner (Rosenheimer, der derzeit in Kaufbeuren spielt, d. Red.) zusammensetzen, ob wir da was hinbiegen können.
Im Ernst: Europa wäre eine Option?
Immer. Da bin ich offen für alle Ligen: Deutschland, Schweiz, Schweden.
Die vergangene Saison in Seattle war Ihre beste seit Langem. Sie könnte Ihrer Karriere in der NHL noch einmal einen Kick gegeben haben.
Sie war gut. Ein kompletter Unterschied zum Jahr davor, wo ich alle fünf Wochen mal gespielt habe – was jedes Mal so ist, als würde man aus dem Sommer kommen. Nun haben wir einen gescheiten Trainer gehabt und ein gescheites System. Wir sind eines der jüngsten Teams in der Liga und können angreifen.
Seattle gilt als coole Franchise. Der Club fühlt sich auch der Nachhaltigkeit verpflichtet.
Unser Stadion ist das schönste in der NHL. Das Eis wird mit Regenwasser gemacht. Es wird aus der Box gedacht.
Seit drei Jahren gab es allerdings keine Playoff-Teilnahme mehr. Einige Stars, die mal im Gespräch waren, haben abgesagt. Was muss sich ändern?
Die Spieler, die da sind, sind gerne da, es zwingt sie ja keiner. Wir müssen besser verteidigen, denn wir sind keine Mannschaft, die immer sechs Häusl schießt.
Torhüter werden sehr stark nach Statistiken beurteilt. Die Wahrnehmung bei einer Quote von über 90 Prozent gehaltenen Schüssen wie zuletzt bei Ihnen ist viel, viel positiver, als wenn vorne eine 8 stünde. Gerecht?
Das Spiel hat sich verändert, die Torhüterstatistiken sind im Schnitt nach unten gegangen. Vor zehn Jahren lief das Spiel geradlinig von Nord nach Süd, jetzt mit der Qualität an Spielern, ist es auch West – Ost. Die Spieler nehmen sich Skills-Trainer, jeder kann plötzlich schießen und zocken. Das körperliche Spiel ist dadurch weggegangen. Mannschaften verteidigen auch nicht mehr so, wie sie mal verteidigt haben. Das Business ist, die Fans auch mit mehr Toren in die Hallen zu bringen. Ich finde, bei unserer Statistik muss man immer berücksichtigen: Wie war die Spielsituation, wie hat die Mannschaft zu dem Zeitpunkt performt, wie war sie in dieser Saisonphase drauf?
Beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit noch mit Pferden?
Das ist mein Ausgleich vom Eis. Im Stall musst du Ruhe bewahren. Das Pferd nimmt in der Herde die Herzfrequenz der anderen an – also dann wenn du extrem aufgeregt bist, ist es das Pferd auch. Deswegen ist immer Nullpol, wenn ich in den Stall zum Ausmisten gehe. Mit meinem Pferd und dem Hund in der Natur zu sein, da kann ich abschalten.
Also irgendwann kommt die Grubi-Ranch?
Perfekterweise in Colorado oder Montana, wo viel Platz ist. Ich engagiere mich in der Pferdeauffangstation in Seattle. Wir haben 42 Pferde, die kriegen wir vom Tierschutz geliefert. Sie wurden misshandelt, wir päppeln sie auf, bilden sie aus und geben sie zur Adoption frei. Ich würde das gerne in kleinem Rahmen weiterführen und dem Gast den amerikanischen Cowboy-Lifestyle vermitteln.
Sie sind bei SAFE, das steht für „Save a Forgotten Equine“, rette ein vergessenes Pferd. Wie kommt man als Eishockeyspieler dazu?
Über meinen Spezl Andreas Seppi, ehemaliger Tennisprofi aus Italien. Er wollte ein Hotel in Colorado kaufen und hat mich gefragt, ob ich mitmache – so bin ich zum Reiten gekommen. In Colorado habe ich beim Tierschutz geschaut, ob ich ein Pferdl adoptieren könnte. Als ich dann in Seattle unterschrieben habe, habe ich auch dort nach dieser Möglichkeit geschaut und bin so bei SAFE reingerutscht.
INTERVIEW: GÜNTER KLEIN